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Verdacht an Göttinger Universitätsklinik: Organspendeskandal weitet sich aus

Verdacht an Göttinger Universitätsklinik : Organspendeskandal weitet sich aus

Skandal an Göttinger Uniklinik: Ein ehemaliger Oberarzt steht im Verdacht, in mehr als 20 Fällen Krankendaten manipuliert zu haben. Möglich ist, dass auch weitere Personen an den Manipulationen beteiligt waren. Seine Patienten sollen dadurch schneller Organe erhalten haben.

Es sei unwahrscheinlich, dass nur eine Person an den Manipulationen beteiligt war, durch die Patienten Lebern bekommen haben, obwohl sie nicht an der Spitze der Warteliste standen. Dies sagte das Vorstandsmitglied der Uniklinik, Martin Siess, am Freitag. Dazu seien Zahl und Umfang der Manipulationen zu groß gewesen. Das Motiv sei weiterhin unklar.

Am Freitag hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Deutsche Ärztekammer bei der Auswertung von Krankenakten des Klinikums auf 25 Verdachtsfälle gestoßen war. Ein Göttinger Universitätsarzt soll im großen Stil Krankendaten gefälscht haben, damit die eigenen Patienten beim Empfang einer Spenderleber bevorzugt werden.

Der Fall sei unglaublich, sagte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation, Hans Lilie, am Freitag. Er habe sich nie vorstellen können, dass ein deutscher Arzt so handele. Es besteht der Verdacht, dass der damalige Oberarzt der Göttinger Universitätsklinik in mindestens 25 Fällen falsche Angaben gemacht hat. Die Bundesärztekammer habe eine Task Force eingerichtet, um die Affäre aufzuklären, sagte der Strafrechtler der Universität Halle.

Verdacht der Bestechlichkeit

Der 45 Jahre alte Mediziner war bereits vor Wochen ins Zwielicht geraten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn unter anderem wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Er soll Geld von einem russischen Patienten dafür angenommen haben, dass diesem in Göttingen bevorzugt eine Spenderleber implantiert wurde. Der Verdächtige arbeitet mittlerweile nicht mehr in der Göttinger Universitätsmedizin.

Spenderorgane werden nach einem streng festgelegten Kriterienkatalog von der Vermittlungsstelle Eurotransplant im holländischen Leiden an die Patienten in ihren acht Mitgliedsländern vergeben. Dabei geht es nach Dringlichkeit. Der Göttinger Arzt soll den Gesundheitszustand seiner Patienten bewusst schlechter dargestellt haben, damit sie von Eurotransplant schneller eine Spenderleber zugeteilt bekamen. Er habe zum Beispiel vergegaukelt, dass ein Mann, der auf eine Spenderleber wartete, auch Nierenprobleme habe und Dialyse-Patient sei, erläuterte Lilie.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, war gegen den Mann bereits in der Vergangenheit ermittelt worden, weil er eine für das Klinikum Regensburg vorgesehene Spenderleber mit nach Jordanien nahm, um sie dort einzusetzen.

Das Bundesgesundheitsministerium forderte eine schonungslose Aufklärung. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsse dies Konsequenzen haben, sagte Ministeriumssprecher Christian Albrecht. Dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig inzwischen die Ermittlungen übernommen habe, sei zu begrüßen.

Albrecht nannte es "nicht nur gesetzeswidrig, sondern aus unserer Sicht auch höchst respektlos und ethisch natürlich in höchstem Maße verwerflich, wenn Organe nicht nach medizinischer Dringlichkeit transplantiert werden".

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(dpa)