Olivia Jones: Travestiekünstlerin aus Hamburg wird 50 Jahre alt

Dragqueen aus Hamburg : Travestiekünstlerin Olivia Jones wird 50 Jahre alt

Von der unbekannten Dragqueen aus Niedersachsen hin zur weithin bekannten und auch politisch respektierten Ikone war es ein weiter Weg. Am Donnerstag wird Olivia Jones 50 Jahre alt.

Bei der Bundespräsidentenwahl 2017 ist Olivia Jones mit Perücke in knalligem Orange und Kleid in schillerndem Türkis der Hingucker im Bundestag. Fotos von ihr neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und als einziger Farbtupfer zwischen anderen Delegierten in dunklen Anzügen und Kostümen gehen damals um die Welt.

Geboren als Oliver Knöbel im beschaulichen Springe bei Hannover hat Olivia Jones nach eigenen Angaben während der Schulzeit erste Travestieauftritte, die aber weder bei Eltern noch Lehrern auf besondere Begeisterung stoßen. Es ist noch eine andere Zeit als heute - von einer Fernsehsendung wie "Queen of Drags", bei der derzeit im Sender ProSieben erstmals deutsche Dragqueens miteinander um den Titel wetteifern, ist Deutschland noch weit entfernt.

Olivia Jones nimmt in den 80er Jahren Schauspielkurse und bildet sich auf eigene Faust in Maskenbildnerei und Sprechtraining fort. Ihr Hobby zum Beruf macht die rund zwei Meter große Künstlerin nach ihren Umzug nach Hamburg 1989. Dort spricht sie bei Lilo Wanders vor, die damals das Schmidt-Theater auf der Reeperbahn leitet. Sie sorgt dafür, dass Olivia Jones dort Auftritte und später Shows bekommt.

Im Lauf der folgenden Jahre macht sie sich auch international einen Namen. 1997 gewinnt Olivia Jones in Miami in den USA den "Miss Drag Queen Of The World"-Titel. Danach fasst sie als Vertreterin der queeren Community zunehmend im deutschen Fernsehen Fuß. Neben ihrer früheren Mentorin Lilo Wanders und der Kölner Komikerin Hella von Sinnen gibt es damals noch wenig Konkurrenz.

Bekannt wird die von den Medien gern als Kulttranse titulierte Künstlerin zudem für ihr gesellschaftliches und politisches Engagement. Sie unterstützt unter anderem die Tierrechteorganisation Peta, 2004 tritt sie bei der Hamburger Bürgerschaftswahl öffentlichkeitswirksam als Kandidatin gegen den Rechtspopulisten Ronald Schill an.

Für ein Mandat reicht es damals nicht, aber insbesondere ihrem Engagement gegen Rechtsradikalismus, Homophobie und Rassismus bleibt Olivia Jones danach weiter treu. Legendär wird ihr Gasteinsatz als grell geschminkte Außenreporterin bei einem Parteitag der rechtsextremen NPD, den sie 2007 für das NDR-Satiremagazin "Extra 3" absolviert.

Später verfasst sie das viel beachtete Kinderbuch "Keine Angst in Andersrum", das für mehr Toleranz und Respekt gerade mit Blick auf Homo- und Transsexualität wirbt. Parallel arbeitet sie als erfolgreiche Unternehmerin an einem eigenen kleinen Firmenimperium. Olivia Jones betreibt unter ihrem Markennamen inzwischen mehrere Lokale im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli - darunter auch eine Tabledancebar ausschließlich für Frauen. Dazu kommen spezielle Touristenführungen und Hafenrundfahrten.

Auch im Fernsehen bleibt sie präsent, unter anderem als Kandidatin im RTL-"Dschungelcamp" 2013. Und als die Planungen für "Queen of Drags" konkret werden, ist es beinahe schon Ehrensache, dass Olivia Jones mit in der Jury sitzt. Sie selbst verteidigt die Sendung gegen Kritik. "Für so etwas haben viele aus der Szene lange Zeit gekämpft", sagt sie. Sie bekämen mit der Show "endlich die Aufmerksamkeit, die der Kunst gebührt".

Auch beim Schutz ihres Privatlebens ist Olivia Jones ganz und gar Profi. Viel dringt nicht nach außen. Dass sie sich vor einigen Jahren die Beine um rund sechs Zentimeter verkürzen ließ und seitdem "nur" noch 1,95 Meter misst, ist eine der wenigen Ausnahmen. Sonst ist sie entgegen ihren Gewohnheiten bei derartigen Themen betont diskret.

Einen Mann an ihrer Seite gebe es nicht, gibt sie auf ihrer Homepage lediglich preis, wo sie ihr gefühltes Alter augenzwinkernd mit "chronischen 28" angibt. Jenseits von Perücke, Fummel und Makeup möge Olivia Jones es ruhig, heißt es dort zudem. "Sie muss sich ja auch mal vom aufregenden Kiez- und Nachtleben erholen können".

(cka/AFP)