Oktoberfest 2022 Zwei Stunden und sieben Minuten bis zur ersten „Bierleiche“

München · Während den bayerischen Ministerpräsidenten die Verbotsdiskussionen nerven, mussten genau zwei Stunden und sieben Minuten nach dem offiziellen Anstich Helfer und Sanitäter auf dem Münchner Oktoberfest die erste Bierleiche versorgen.

Blick in einen der Räume der Wiesn-Sanitätswache (Symbolbild).

Blick in einen der Räume der Wiesn-Sanitätswache (Symbolbild).

Foto: dpa/Sabine Dobel

Die erste „Bierleiche“ ist auf dem Oktoberfest rund zwei Stunden nach dem Anstich versorgt worden. Um 14.07 Uhr sei eine „volltrunkene“ junge Frau aufgenommen worden, sagte der Sprecher der Sanitätsstation Aicher Ambulanz, Markus Strobl, am Samstag. 24 Minuten später sei ein junger Mann Mitte 20 versorgt worden. In anderen Jahren wurden schon Stunden vor dem Anstich die ersten Alkoholopfer vermeldet.

Ansonsten kam in der Ambulanz auch schon das CT-Gerät zum Einsatz, das es dieses Jahr zum ersten Mal zur Entlastung der Krankenhäuser auf dem Festgelände gibt: Ein Franzose sei nicht-betrunken vor einem Bierzelt gestürzt und habe sich am Kopf verletzt, so Strobl.

Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist das Oktoberfest derweil ein „Fest von Freude und Freiheit“. „Es soll jeder anziehen, was er will, es soll jeder essen, was er will“, sagte er kurz nach dem Wiesn-Anstich am Samstag. „Wer Veganes will, der kann Radi essen rauf und runter, wird glücklich sein. Ich werde ein Hendl essen.“

Er sei außerdem dafür, „dass es keine Verbote von Liedern gibt“. Zuvor war wochenlang diskutiert worden, ob der Schlager „Layla“, um den es eine Sexismus-Debatte gab, auf der Wiesn gespielt werden soll oder nicht. „Jeder soll singen können, was er will“, sagte Söder, der sich mehrfach ähnlich äußerte am Anstichstag - und dafür im Festzelt nach anfangs deutlichen Buhrufen laut bejubelt wurde.

„Wir haben so schwere Zeiten hinter und, ich befürchte, noch so schwere vor uns. Umso wichtiger ist es dann, Kraft zu tanken“, sagte der CSU-Chef. Das gehöre einfach dazu. „Wir können uns ja nicht aussuchen, in welcher Zeit wir feiern.“

Tierschutzaktivisten, die zuvor versucht hatten, den Einzug der Wiesn-Wirte auf das Festgelände zu stören, warf er Spielverderberei vor: „Es gibt immer jemanden, der den Spaß verderben will“, sagte Söder und betonte: „Diese ganze Verbotsdiskussion, die nervt. Wokeness mag interessant sein, aber wenn sie übertrieben ist, dann ist sie spießig, und die Wiesn ist alles, nur nicht spießig.“

(felt/dpa)
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