Am 8. Oktober erscheint "Piaac": OECD-Studie testet Alltagsfähigkeit der Deutschen

Am 8. Oktober erscheint "Piaac": OECD-Studie testet Alltagsfähigkeit der Deutschen

"Sie erhalten zwei Packungen Kaffee zum Preis von einer – wie groß ist Ihre prozentuale Ersparnis?" Solche Fragen stellte die OECD Menschen in 24 Ländern. Morgen gibt es Ergebnisse. Die Studie "Piaac" gilt als eine Art Pisa für Erwachsene. Sie verspricht Einsichten in das Wissen der Deutschen – und ob sie es im Alltag anwenden können. Auch "Piaac" könnte einen Schock auslösen.

"Sie erhalten zwei Packungen Kaffee zum Preis von einer — wie groß ist Ihre prozentuale Ersparnis?" Solche Fragen stellte die OECD Menschen in 24 Ländern. Morgen gibt es Ergebnisse. Die Studie "Piaac" gilt als eine Art Pisa für Erwachsene. Sie verspricht Einsichten in das Wissen der Deutschen — und ob sie es im Alltag anwenden können. Auch "Piaac" könnte einen Schock auslösen.

Wie gut können die Bewohner der OECD-Staaten lesen, schreiben und rechnen? Und wie weit sind sie in der Lage, ihr Wissen auch alltagspraktisch in ihrem Leben anzuwenden. Die in großem Stil angelegte Studie "Piaac" hat sich dieser Thematik angenommen. Auch in Deutschland wurden Daten gesammelt und mit denen der anderen Länder verglichen. Wenn die Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht werden, gibt es also wieder eine Rangliste wie damals bei Pisa.

Der elementare Unterschied: Diesmal waren die Befragten nicht Schüler im Alter von 15, sondern Erwachsene zwischen 16 und 65. Zudem liegt ein Schwerpunkt auf der Anwendung des Wissens in Beruf und Alltag.

Es geht um "Humankapital"

Die OECD, im Kern eine internationale Wirtschaftsorganisation, will damit herausfinden, wie gut die Bürger der Industriestaaten ihr formal durch Abschlüsse erworbenes Wissen auch in Beruf und Lebensalltag anwenden können. Das wird vor allem dann interessant, wenn Defizite auftauchen, weil sie vermutlich die Ertragschancen der Unternehmen mindern.

Im Begleittext zur Studie heißt es vielsagend, Piaac werde ein "umfassendes Bild des Humankapitals liefern, auf welches die Länder im globalen Wettbewerb zurückgreifen können." Auch politischen Entscheidungsträgern soll die Studie aufschlussreiche Hinweise liefern, wenn es darum geht, Deutschland in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik neu aufzustellen.

Drei Leitfragen

In Deutschland hat das Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (Gesis) die Untersuchung durchgeführt. 5300 repräsentativ ausgewählte Teilnehmer wurden befragt. Die Wissenschaftler formulierten für die Studie drei Leitfragen.

Für die Tests mit deutschen Teilnehmern brachen sie diese Fragen auf mehrere ganz konkrete Fragen herunter, alle mit einem Bezug zur Alltagswirklichkeit. So sollten zum Beispiel auf einem Stadtplan der kürzeste Weg zwischen zwei Orten bestimmt werden. Auch das Leseverständnis spielt eine wichtige Rolle. Befragte sollten etwa einen Beipackzettel eines Medikaments lesen und herausfinden, wie lange dieses eingenommen werden darf.

Weitere Beispiele sind im Detail auf der Gesis-Homepage zu finden.

Lesekompetenz Eine Abbildung zeigt den Beipackzettel des (erfundenen) Schlafmittels Tranquilosept, er zeigt Fett- wie Kleingedrucktes. Die Frage: "Ihr Sohn ist 16 Jahre alt und hat Schlafstörungen. Dürfen Sie ihm Tranquilosept zur Behandlung geben?"

Grundlegendes Leseverständnis Hier werden ganz fundamentale Voraussetzungen zum Textverständnis überprüft. Manche sind bereits mit dem Lesen einfacher Worte oder simpler Sätze überfordert. Sie sollen Aussagen wie "Der Rasen ist lila" oder den in Würfelform geschriebenen Satz "Der Ball ist rund" auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen.

Alltagsrechnen Sind die Deutschen sattelfest in Prozentrechnung? Die Piaac-Frage: "Sie kaufen zwei Packungen Kaffee. In Prozent ausgedrückt, wie viel haben Sie gespart?"

Problemlösung in einer technischen Umgebung Dem Befragten wird in dieser Beispielaufgabe eine Tabelle mit etwa 30 Zeilen vorgelegt, die Musik-CDs, Stil, Interpreten und Preise aufführt. Die Frage: Wie viele Jazz-CDs gibt es, die weniger als 5 Euro kosten?

Ob die Lösung dieser Fragen ein Kinderspiel ist oder manche vor unlösbare Probleme stellt, wird die Studie am morgigen Dienstag zeigen. Der Berliner Tagesspiegel hat bereits darauf hingewiesen, dass eine böse Überraschung im Bereich des Möglichen liegt. Der Grund für die Skepsis: Ähnliche Untersuchungen zu Teilbereichen von "Piaac" zeigten erhebliche Defizite auf.

Alwa Die Alwa-Studie vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung befasste sich 2011 mit den Lese- und Rechenfähigkeiten von Deutschen zwischen 18 und 52. Der Befund: Ein Viertel der Befragten sei nicht in der Lage, mit ihren Fähigkeiten den Alltag zu bewältigen.

Leo Die Level-One-Studie testete 2011 die Lesekompetenz der deutschen Erwachsenen zwischen 18 und 64. Der Befund: 14,5 Prozent der Teilnehmer sind mit längeren Texten überfordert und müssen als funktionale Analphabeten gelten.

Stiftung Rechnen Im Mai testete die Stiftung in Zusammenarbeit mit der "Zeit" das mathematische Wissen mit 30 Rechenaufgaben. Der Befund: Etwa ein Drittel kamen bei der Prozentrechnung ins Schleudern.

Hier geht es zur Infostrecke: So reagierten die Länder auf den Pisa-Schock

(pst)