Kinder dürfen nicht nach 22 Uhr auftreten: NRW-Minister legt sich mit DSDS an

Kinder dürfen nicht nach 22 Uhr auftreten: NRW-Minister legt sich mit DSDS an

Der Arbeitschutz in NRW wirft dem Sender RTL vor, bei der Castingshow DSDS gegen das Verbot der Kinderarbeit nach 22 Uhr zu verstoßen. Sollte der 16-Jährige Sebsatian Wurth erneut nach der Sperrstunde zu sehen sein, droht der Produktionsfirma eine saftige Geldbuße.

Sebastian Wurth, Kanditat bei der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), darf künftig nicht mehr nach 22 Uhr auf der Bühne auftreten, weil er erst 16 Jahre alt ist. "Wurth unterliegt der Vollzeitschulpflicht", sagte ein Sprecher von NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Laut Jugendarbeitschutzgesetz sei er deshalb wie ein Kind zu behandeln. "Die Regeln besagen klipp und klar, dass Kinderarbeit nach 22 Uhr veboten ist", so der Sprecher.

Das Arbeitsministerium stellte sich damit hinter das Vorgehen der Bezirksregierung Köln. Das für den Arbeitsschutz zuständige Dezernat 54 hatte die Produktionsfirma am vergangenen Freitag telefonisch darauf hingewiesen, dass die Auftritte von Wurth nach 22 Uhr gegen das Arbeitsschutzgesetz verstoßen. RTL drohe ein Ordnungsgeld von 15 000 Euro.

Auf Verbot reagiert

Der Sender reagierte umgehend auf das Auftrittsverbot. Am Samstag saß Wurth nach 22 Uhr beim Zuschauervoting im Publikum. Bilder, auf denen der Kandidat nach der Sperrstunde zu sehen war, seien vor 22 Uhr aufgezeichnet worden, hieß es gestern bei RTL. Die Bezirksregierung erklärte, die Arbeitsschützer seien in der vergangenen Woche auf die Sendung aufmerksam geworden.

Die 17-jährige Kandidatin Nina Richel habe die Show verlassen müssen, weil sie die psychologischen Belastungen nicht mehr ertragen hatte. Als man sich die Aufzeichnung angesehen habe, sei aufgefallen, dass Wurth nach 22 Uhr auf der Bühne gestanden habe. "Für den 16-Jährigen haben wir der Produktionsfirma aber nur eine Auftritts-Bewilligung bis 22 Uhr erteilt", so der Sprecher.

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Überrascht vom strengen Vorgehen

RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer zeigte sich überrascht über das strenge Vorgehen der Behörden. Man habe sich immerhin in der vierten Liveshow der achten Staffel befunden, auch in der Vergangenheit habe es schon Kandidaten gegeben, die jünger als 18 Jahre alt gewesen seien. Als Beispiel nannte sie Thomas Karaoglan ("Der Checker") aus der Staffel 2010. Nun setzt der Sender auf ein Gespräch mit der Bezirksregierung.

"Wir bemühen uns gemeinsam mit Sebastians Eltern, die seine Teilnahme bei DSDS sehr unterstützen, um eine Lösung", sagte Eickmeyer. Möglicherweise löse sich das Problem von selbst, wenn der 16-Jährige aus den Show herausgewählt werde, hieß es im Umfeld der Produktionsfirma. Bis auf weiters werde Wurth nach 22 Uhr in einem goldenen Sessel im Publikum sitzen. Sven Lehmann, Landesvorsitzende der Grünen in NRW und Fan von DSDS, begrüßte das konsequente Vorgehen der Behörden.

"Trotz der hohen Einschaltquoten darf es beim Verbot der Kinderarbeit für RTL keine Ausnahmen geben", sagte der Politiker. Lehmann forderte den Sender auf, das Mindestalter für die DSDS-Teilnahme auf 18 Jahre heraufzusetzen.

(RP)