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Notruf: Nummern in mehreren Bundesländern gestört - Ursache war offenbar neue Software

Bundesweiter Ausfall behoben : Ursache für Störungen der Notrufnummern war offenbar neue Software

Die Notrufnummer 110 und 112 von Feuerwehr und Polizei waren am Donnerstag in mehreren Bundesländern länger nicht erreichbar. Ursache ist laut Telekom wohl die Aufspielung einer neuen Software. Innenminister Reul kritisierte das Unternehmen scharf.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Telekom nach dem bundesweiten Ausfall der Notrufnummern 110 und 112 von Polizei und Feuerwehr kritisiert. „Natürlich werden wir dieses Problem gemeinsam mit der Deutschen Telekom nachbereiten – das geht so nicht!“, sagte Reul laut einer Stellungnahme am Donnerstag.

Die Ursache für den etwa 70-minütigen bundesweiten Ausfall der Notrufnummern 110 und 112 von Polizei und Feuerwehr am frühen Donnerstagmorgen war laut Telekom die „Einbringung einer neuen Software“. Wie das Unternehmen am Mittag in Bonn auf Anfrage mitteilte, kam es um 4.30 Uhr bei Routine-Wartungsarbeiten zu einer Störung der Erreichbarkeit der Notruf-Leitstellen in verschiedenen Regionen Deutschlands. Um 5.40 Uhr seien alle Leitstellen wieder uneingeschränkt erreichbar gewesen, hieß es weiter.

„Ursächlich für die Störung war vermutlich die Einbringung einer neuen Software, die zuvor ausführlich getestet worden war und keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hatte. Einen Hackerangriff können wir aktuell ausschließen“, teilte ein Telekom-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. „Die detaillierte Analyse dauert an.“

Das Unternehmen habe schnell reagiert und die Störungen ab 6.00 Uhr nach und nach beseitigen können, sagte Reul. Er lobte auch Polizei und Feuerwehr, die „unmittelbar und ausführlich über die lokalen und landesweiten Radios sowie die sozialen Netzwerke informiert und mitgeteilt“ hätten, über welche Telefonnummern sie zu erreichen seien. „Alle verfügbaren Einheiten waren eingesetzt, um größtmögliche Präsenz zu gewährleisten - die Feuerwehr hat ebenfalls ihre Feuerwehrhäuser besetzt“, so Reul weiter. Man habe selbst umgehend damit begonnen, nach dem Grund für den Ausfall zu suchen. „Unsere Fehlersuche ergab, dass die Ursache der Störung nicht in unseren eigenen Systemen liegt“, so der NRW-Innenminister.

Hinweise auf einen Cyberangriff lagen auch dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nicht vor. Die Telekom habe die Störung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen dem BSI und der Bundesnetzagentur gemeldet.

In mehreren Bundesländern fielen am Donnerstagmorgen die Notrufnummern 110 und 112 von Polizei und Feuerwehr aus. Warnmitteilungen gab es auch aus Brandenburg, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

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Auch Nordrhein-Westfalen war von dem Ausfall der Notrufnummern betroffen. Ob es größere Auswirkungen auf die Arbeit von Feuerwehr und Polizei hatte, war zunächst unklar. Probleme bei Einsätzen wegen der Nicht-Erreichbarkeit der Notrufnummern wurden bisher nicht bekannt.

Laut Polizei in Münster dauerte der Ausfall der 110 dort nur etwa 20 Minuten. „Bereits um 5.43 Uhr war die Störung aber vorbei“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums. Die Leitstelle sei aber durchgehend über die bekannte Festnetznummer erreichbar gewesen. Zu größeren Problemen sei es nicht gekommen. Mehr Streifenwagen seien deswegen nicht losgeschickt worden.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland waren alle Kräfte des Nachtdienstes der Polizeibehörden etwas länger im Dienst. Die Bevölkerung war unter anderem über die sozialen Medien wie Facebook und Twitter aufgefordert worden, sich in Notfällen direkt an die Polizeibehörden vor Ort zu wenden. Auf seiner Website hatten die Polizei NRW rasch die entsprechenden Rufnummern der Kreispolizeibehörden veröffentlicht. „Wir haben weiter alles an Präsenz, was wir haben, auf den Straßen“, hieß es bei der Polizei.

(bora/zim/mba/dpa)