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Nordsee: Walross ruht sich auf Baltrum und Spiekeroog aus

Spektakulärer tierischer Besuch : Walross ruht sich auf Nordsee-Inseln aus

Exotischer Gast im Wattenmeer: Inselbewohner und Gäste konnten auf Baltrum und Spiekeroog eine Walross-Dame beobachten. Nach ihrer Rast verschwand sie wieder in der Nordsee.

Erstmals seit mehr als 20 Jahren ist im deutschen Wattenmeer wieder ein Walross aufgetaucht. Das braune, massige Tier mit Schnurrbart und Stoßzähnen ruhte sich am Dienstag stundenlang auf der Nordsee-Insel Baltrum aus. Es schlief auf einer Buhne - also einer Küstenschutzanlage - im Westen der Insel.

Das Tier, das von weitem wie ein riesiger Kartoffelsack aussah, zog sofort Dutzende Schaulustige an. Die Walross-Dame hatte zwar Hautabschürfungen an den Vorderflossen, wirkte aber sonst gesund. Sie soll sich sogar einem Angler neugierig genähert haben. „Als ein Hund bellte, hat das Walross aufmerksam den Kopf gehoben“, berichtet die Leiterin des Nationalparkhauses auf Baltrum, Karen Kammer. Das Tier habe aber seine Ruhe gebraucht. Vermutlich hatte es mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt, denn Walrosse leben eigentlich rund um den Nordpol. Im Vergleich zu den heimischen Seehunden und Kegelrobben sind sie deutlich größer und schwerer.

Am Freitag wurde das Tier dann auf der Kaimauer im Hafen der etwa 22 Kilometer von Baltrum entfernten Insel Spiekeroog gesichtet. Ein privater Fotograf hatte auf Facebook auf den tierischen Besucher aufmerksam gemacht. „Es sind viele Schaulustige, unter anderem Tagestouristen, vor Ort“, sagte ein Sprecher der Inselverwaltung von Spiekeroog am Freitag. Auf Facebook kritisierten einige Nutzer die Schaulustigen und schrieben, dass dem Tier geholfen werden müsse.

„Walrosse können weite Strecken zurücklegen und sind auch innerhalb des arktischen Lebensraumes recht mobil“, sagt Ursula Siebert, Expertin für Meeressäuger an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Tiho). Zuletzt war 1998 ein Walross in der südlichen Nordsee - nämlich auf Juist und auf Sylt - gesichtet worden. „Meist sind das abenteuerlustige jüngere Tiere, die auch eine Weile bleiben, wenn sie sich wohlfühlen“, sagt die Wissenschaftlerin.

An der Atlantikküste macht seit einigen Monaten ebenfalls ein Walross Schlagzeilen. Das Männchen wurde unter anderem in Wales und Irland gesichtet und inzwischen Wally getauft. Es gibt sogar ein Video, in dem offenbar dieses Walross versucht, in ein Boot zu klettern. Das Weibchen von Baltrum soll vorher in Dänemark gesehen worden sein.

Vereinzelte Arktis-Bewohner, die sich nach Süden verirren, gab es schon immer. Der Klimawandel könnte jedoch zu größeren, erzwungenen Wanderbewegungen führen. So dringen Eisbären in Russland und Kanada auf der Suche nach Nahrung vermehrt in Dörfer ein. Walrosse haben nicht mehr ausreichend Ruheplätze, liegen gedrängt auf Felsen und kommen bei durch Störungen verursachten Massenpaniken zu Tode. Auch die verstärkte Schifffahrt und Ölförderung in der Arktis ist laut der Organisation WWF ein Problem für die gefährdeten Tiere.

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„Der Eisbär ist schon gut untersucht, aber es ist erstaunlich, wie wenig wir über das Walross wissen“, sagt Tiho-Professorin Siebert. Deshalb sei an der Tiho Hannover unter anderem ein Projekt zur Erforschung der Meeressäuger in Kooperation mit Russland in Planung. Eisschollen sind eigentlich typische Ruheplätze für Walrosse, jedoch fehlen sie zunehmend aufgrund der Erwärmung der arktischen Gewässer. „Es ist ganz traurig, dass den Tieren quasi der Lebensraum unter dem Körper wegschmilzt.“

(mba/dpa)