Porträt: Nikolaus Schneider - ein Gottesmann mit Bodenhaftung

Porträt : Nikolaus Schneider - ein Gottesmann mit Bodenhaftung

Eine scharfe Zunge und starke Bodenhaftung zeichnen den Nikolaus Schneider aus, der seit 2010 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Für den Sohn eines Duisburger Stahlkochers war es immer Herzenssache, politisch für soziale Gerechtigkeit zu streiten.

Offiziell würde die Amtszeit des 66-Jährigen als EKD-Ratschef bis 2015 dauern. Wegen einer Krebserkrankung seiner Frau gibt er das Amt nun schon im November ab. Nikolaus und Anne Schneider hatten bereits vor wenigen Jahren einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen - den Tod ihrer jüngsten Tochter, die 2005 mit 22 Jahren an Leukämie starb.

Schneider war zehn Jahre lang - bis März 2013 - Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Nach dem überraschenden Rücktritt von Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende übernahm er 2010 auch das Amt des obersten Repräsentanten der gut 23 Millionen Protestanten in Deutschland.

Schneider steht ungern im Rampenlicht, sondern wirkt lieber im Hintergrund. Er hat einen guten Draht zu jüdischen Gemeinden, islamischen Gemeinschaften und führenden Vertretern der katholischen Kirche. Als "Brückenbauer der Ökumene" bezeichnete ihn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Aufgewachsen ist der am 3. September 1947 geborene Schneider in Duisburg-Rheinhausen - mitten im Stahlrevier, das ihn tief prägte. Dort trat er 1977 seine erste Stelle als Gemeindepfarrer an, kämpfte für die vom Strukturwandel bedrohten Stahlkocher. "Ich bin engagiert bei den Nöten der Menschen", sagte Schneider einmal.

Plakative Antworten auf komplizierte ethische Fragen sind Schneiders Sache nicht - ob zur Frage der von der evangelischen Kirche abgelehnten Embryonentests oder zum Streitthema Sterbehilfe, die er in engen Grenzen für zulässig hält. Schneider kann durchaus anecken: So löste die Abkehr der EKD vom traditionellen Familienbild mit der Ehe als Gravitationszentrum Kritik vieler Protestanten aus.

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(lnw)
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