Einstellung hat sich geändert: Niederländer sehen Deutsche positiv

Einstellung hat sich geändert : Niederländer sehen Deutsche positiv

Die Einstellung hat sich gründlich geändert, zeigt eine neue Studie zu den deutsch-niederländischen Beziehungen.

Bald rollen sie wieder an, die schweren Busse aus den Niederlanden. Der Weihnachtsmarkt in Düsseldorf dürfte auch in diesem Jahr wieder Tausende von Besuchern aus dem Nachbarstaat anlocken. Im vorweihnachtlichen Menschengewühl scheint zeitweise Niederländisch die Hauptsprache zu sein. Wie sehen uns die "Holländer" eigentlich?

Jacco Pekelder, Professor an der Universität Utrecht, ist Experte für die deutsch-niederländischen Beziehungen. Der Titel seines soeben erschienenen Buchs gibt einen ersten Hinweis auf den Inhalt: "Neue Nachbarschaft".

Tatsächlich habe sich die Einstellung der Niederländer gegenüber den Deutschen in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewandelt, erklärte Pekelder bei der Präsentation seines (mit Landesmitteln geförderten) Buches in der NRW-Staatskanzlei. Das Deutschlandbild der Niederländer sei sehr viel positiver geworden; die Deutschen gälten als hart arbeitend, gutmütig, weltoffen und demokratisch.

Welch ein Gegensatz zu 1993. Damals sorgte eine Umfrage des Instituts für Internationale Beziehungen "Clingendael" in Den Haag für Furore. Die niederländische Jugend stufte die Deutschen als dominierend und arrogant ein; 39 Prozent meinten sogar, Deutschland sei "kriegslüstern" und wolle "die Welt beherrschen".

Die bitteren Erfahrungen mit den Deutschen im Zweiten Weltkrieg hatten sich offenbar tief in das Nationalbewusstsein eingebrannt. Kein Wunder, dass die Niederlande nach dem Krieg Sicherheit und Stabilität verlangten. Doch zugleich fühlte man sich von europäischen Großmächten wie Frankreich nicht angemessen behandelt. Die daraus resultierenden Irritationen seien oft an Deutschland ausgelassen worden, analysiert Pekelder. Für ihn ist diese Haltung "nur mit dem durch ihre Geschichte als Seefahrernation etwas übersteigerten Selbstbild der Niederländer erklärbar". Der Autor spricht von der "Reizbarkeit einer kleinen Nation mit großer Vergangenheit". Die deutsche Wiedervereinigung habe später für neue Verunsicherung gesorgt: Wohin steuert Deutschland? Die Clingendael-Studie spiegelte das nationale Unbehagen über "die" Deutschen wider.

Noch in den 90er Jahren änderte sich jedoch das Selbstbild der Niederländer, die sich zunehmend eingestanden, dass es während der NS-Zeit nicht nur Widerstand, sondern auch Kollaboration gegeben hat. Die zunehmende Wahrnehmung dieser "grauen Vergangenheit" (Pekelder) bewirkte eine Wende ebenso wie das Massaker von Sebrenica 1995, für das niederländische UN-Soldaten durch ihr Wegschauen indirekt Verantwortung trugen. Der Völkermord öffnete den Niederländern die Augen für schwere eigene Verfehlungen und dämpfte Vorbehalte gegenüber dem Ausland.

Der Imagewandel Deutschlands hin zu einer modernen Nation und die engen wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen (vor allem im grenznahen Raum) trugen ebenso zum neuen Deutschlandbild bei wie die wachsende Zahl von Studierenden. 25 000 junge Frauen und Männer lernen an niederländischen Hochschulen (umgekehrt sind es nur 2500). Inzwischen stellten die Niederländer fest, "dass sie in vielen Eigenschaften Deutschen ähneln", schreibt Pekelder und verweist auf die Tourismus-Statistik: Bis zu sieben Millionen Menschen buchen jedes Jahr eine Reise ins Nachbarland. Doch im Advent kommen erst einmal "die Holländer".

(RP)