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Verschwundene Neunjährige: Nach zwölf Jahren neue Spur im Fall Peggy

Verschwundene Neunjährige : Nach zwölf Jahren neue Spur im Fall Peggy

Am 7. Mai 2001 verschwand die zwölfjährige Peggy K. spurlos. Nun gibt es Hinweise auf ein Anwesen, auf dem die Leiche des Mädchens versteckt sein könnte. Dort soll ein Sexualtäter wohnen. Ist der 2004 verurteilte Ulvi K. unschuldig?

An einem Montag verschwindet Peggy K. spurlos. Am 7. Mai 2001 spaziert die Zwölfjährige im oberfränkischen Ort Lichtenberg mit einer Freundin von der Schule nach Hause. Vor der Wohnung ihrer Freundin verabschieden sich die beiden Mädchen voneinander, von dort aus muss Peggy K. nur noch etwa eine Minute laufen.

Doch sie kommt nie zu Hause an. Bis heute wurde das Mädchen nicht gefunden. Der damals 23-jährige, geistig behinderte Ulvi K. hat 2002 gestanden, Peggy K. getötet zu haben, das Geständnis aber später widerrufen. 2004 wurde Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun gibt es Hinweise, wo die Leiche des Mädchens liegen könnte. Unter Umständen sitzt der falsche Täter seit mehr als zehn Jahre im Gefängnis.

Gestern Morgen untersuchte die Polizei ein Anwesen in der Nähe des Rathausplatzes von Lichtenberg. Ein Bagger durchwühlte die Erde, Experten der Spurensicherung untersuchten das Gelände. Offensichtlich haben die Ermittler triftige Anhaltspunkte, dass sich die Leiche der Zwölfjährigen auf dem Anwesen befinden könnte, womöglich in einer überbauten Zisterne.

Bisher kein Tatverdacht

Laut Medienberichten soll auf dem Anwesen ein vorbestrafter Sexualtäter leben. Der Bewohner des Hauses sei schon früher im Visier gewesen, sagt Gudrun Rödel, die Betreuerin des verurteilten Ulvi, die alle Akten zu dem Fall gründlich studiert hat. Die Polizei mag das nicht bestätigen oder dementieren. Alle Menschen, die in Verbindung mit dem "Objekt" stehen, würden befragt, heißt es. Ein Tatverdacht ließ sich bisher nicht ableiten.

Bereits 2012 hatten Staatsanwalt und Kripo Bayreuth in dem Fall mit neuen Ermittlungen begonnen. "Die Summe der Erkenntnisse hat uns veranlasst, die Untersuchungen zu beginnen", sagte gestern ein Polizeisprecher. Und man sei zuversichtlich, früher oder später auf die Leiche von Peggy K. zu stoßen. Heute soll der Hof hinter dem Haus aufgegraben werden, auch morgen werde womöglich gearbeitet.

Als vermeintlicher Mörder wurde im September 2001, ein halbes Jahr nach der Tat, die Gaststätten-Hilfskraft Ulvi K. festgenommen. Gutachter bescheinigten dem Mann einen Intelligenz-Quotienten von 67; im Ort galt er als gutherziger wie gleichwohl sexuell gestörter Dorftrottel. Erst ein Jahr nach seiner Festnahme gestand Ulvi K., das Mädchen erwürgt zu haben. Der Mann erklärte, Peggy K. missbraucht zu haben. Als er sich einen Tag später bei ihr entschuldigen wollte, sei die Situation aus dem Ruder gelaufen, und er habe das Mädchen im Affekt getötet.

Behinderter wegen Mordes verurteilt

Die Leiche, gab Ulvi K. zu Protokoll, wollte er in einem Wald vergraben haben. Doch anhand seiner Schilderungen über die Lage des Grabs ließ sich Peggy K. nicht finden. Auch andere Beweise, dass Ulvi K. die Tat begangen haben könnte, gab es nicht, ebensowenig wie Zeugen. Dazu widerrief der mutmaßliche Täter bald sein Geständnis. Man habe ihn unter Druck gesetzt, behauptete Ulvi K. Trotzdem wurde der geistig Behinderte am 20. April 2004 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

An seiner Schuld gab es seit Jahren große Zweifel. Inzwischen hat sein Anwalt Michael Euler einen Wiederaufnahmeantrag gestellt. Er wirft den damaligen Ermittlern vor, Zeugen manipuliert und Zeugenaussagen, die seinen Mandanten entlasten, ignoriert zu haben. "Die Verurteilung meines Mandanten ist ein Skandal", sagte Euler der "Bild am Sonntag". "Ein geistig Behinderter soll das perfekte Verbrechen begangen haben. Das ist absurd."

Hier geht es zur Bilderstrecke: April 2013: Polizei sucht wieder nach Peggys Leiche

(RP/das)