Nach Friederike: Lothar, Kyrill, Ela - das waren die schlimmsten Orkane in Deutschland

Chronik : Die schlimmsten Orkane in Deutschland

Orkan Friederike: So heftig erleben unsere Nutzer den Sturm

Windgeschwindigkeiten von mehr als 270 Kilometern pro Stunde, verwüstete Straßen, zahlreiche Tote - in Deutschland haben in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder schwere Stürme für Chaos gesorgt. Eine Chronik.

13. November 1972: Orkan Quimburga zieht über Mittel- und Westeuropa. In Deutschland erreicht das Sturmtief auf dem Brocken im Harz eine Spitzengeschwindigkeit von 245 Kilometern pro Stunde - der zweithöchste Wert, der in Deutschland bisher gemessen wurde. Mindestens 73 Menschen kommen in Europa durch den Orkan ums Leben. Das Unwetter geht auch als Niedersachsen-Orkan in die Geschickte ein. Allein bei den Aufräumarbeiten in Niedersachsens Wäldern sterben 22 Menschen. In Deutschland richtet Quimburga einen Sachschaden von 1,34 Milliarden D-Mark an.

3. Januar 1976: 82 Menschen sterben in Mitteleuropa durch den Orkan Capella. Er kommt in der Spitze zwar auf eine deutlich geringere Geschwindigkeit als viele andere Orkane in Deutschland (145 km/h). Er löst jedoch an der deutschen Küste eine Sturmflut aus. Dabei kentert das Schiff Capella. Elf Mann sterben dabei. Der Sturm wird daher nach dem Schiff benannt.

Januar bis März 1990: Im Winter 1990 fegt eine ganze Reihe von Orkanen über Deutschland. Insgesamt acht Sturmtiefs sorgen für große Schäden an Gebäuden und Wäldern. Vivian erreicht im Februar 224 km/h. 15 Menschen sterben in Europa durch den Orkan. Im März kommen bei Orkan Wiebke 25 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ums Leben. Insgesamt sterben durch die acht Orkane 64 Menschen.

14. Januar 1994: Umgerechnet 360 Millionen Euro Schaden verursacht Orkan Lore. Sechs Menschen sterben. Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h.

26. Dezember 1999: Orkan Lothar gilt bis heute in Deutschland als Jahrhundert-Sturm. Er wütet in Deutschland, Frankreich und der Schweiz - mit bis zu 272 km/h. Bis heute hat der Deutsche Wetterdienst keine höhere Windgeschwindigkeit über Land gemessen. In Deutschland sterben 18 Menschen während des Orkans. Auch in der Schweiz und in Frankreich sterben Menschen. Weitere kommen bei den Aufräumarbeiten ums Leben. Am Ende hat Lothar 60 Menschenleben gefordert. Außerdem hat der Orkan ganze Wälder zerstört. Der Gesamtschaden liegt bei 1,8 Milliarden Euro.

27./28. Oktober 2002: Vor allem der Osten Deutschlands wird von Sturmtief Jeanett getroffen. Im Erzgebirge werden Windböen von 183 km/h gemessen. Jeanett ist seit Lothar der stärkste Orkan in Deutschland. Zwölf Menschen kommen ums Leben.

Januar 2005: Die Winterstürme Erwin und Ingo sorgen mit Böen um die 170 Kilometer pro Stunde für umgeknickte Bäume. Betroffen ist vor allem die Nordseeküste.

18. Januar 2007: Bereits Ende Dezember und Anfang Januar war eine Reihe von Orkanen über Deutschland gezogen. Am 15. Dezember kündigte sich dann das deutlich stärkere Sturmtief Kyrill an. Am 18. Dezember erreicht der Orkan Deutschland. In ganz Europa waren zuvor schon Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, um Unfälle zu vermeiden. Kyrill wütet ab mittags bis zum späten Abend mit Böen von bis zu 200 km/h über Deutschland. Die höchste gemessene Geschwindigkeit liegt bei 202 km/h. Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Bahn wird der Verkehr auf allen Strecken eingestellt. Schulen, Behörden und Unternehmen bleiben an dem Tag geschlossen. Europaweit sterben durch Kyrill 47 Menschen, 13 in Deutschland. Der Orkan verursacht einen Schaden von zehn Milliarden US-Dollar - mehr als die Hälfte davon in Deutschland. In NRW zerstört Kyrill weite Teile des Waldgebietes. 25 Millionen Bäume knickten um oder wurden entwurzelt.

1. März 2008: Sturmtief Emma trifft vor allem viele Waldflächen, die schon von Kyrill verwüstet worden waren. Dort richtet der Orkan schwere Schäden an. Der Hamburger Fischmarkt wird von einer Sturmflut überschwemmt. In Mitteleuropa sterben 14 Menschen durch Emma. Die stärkste Böe: 169 km/h.

28. Februar 2010: Wieder bringt ein Sturm den Bahnverkehr in NRW zum Erliegen. Orkan Xynthia weht mit bis zu 181 km/h über den Nordosten Deutschland. Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland fahren keine Züge. Umgestüruze Bäume erschlagen mehrere Menschen - in Deutschland gibt es sieben Tote durch den Sturm.

28. Oktober 2013: In West- und Nordeuropa richtet Orkan Christian schwere Schäden an. Er fegt mit bis zu 171 Kilometern pro Stunde über Deutschland. Der öffentliche Verkehr wird im nordwesten Deutschlands nahezu eingestellt. 14 Menschen starben in Europa infolge des Orkans.

6. Dezember 2013: Xaver wird zum Nikolaus-Orkan in Deutschland. An der Küste sorgt das Sturmtief für Pegelstände, die Meter über dem mittleren Hochwasser liegen. In Hamburg wird der zweithöchste Wasserstand seit beginn der Aufzeichnungen 1825 gemessen. 185 km/h werden als Höchstgeschwindigkeit des Orkans gemessen. In ganz Europa sterben 16 Menschen durch Xaver.

9. Juni 2014: Am Pfingstmontag entwickelt sich aus dem Tiefdruckgebiet Ela eine Gewitterfront. Mit starkem Regen und Orkanböen zieht das Unwetter vor allem über NRW, Hessen und Niedersachsen. In Düsseldorf werden die stärksten Böen gemessen- in der Spitze 142 km/h. Teilweise fallen 40 Liter Regen und Hagel pro Quadratmeter. In den betroffenen Städten wird jeder vierte Baum entwurzelt oder abgeknickt. Allein in Düsseldorf stürzen 2500 Bäume um. 22.500 der 69.000 Straßenbäume werden beschädigt. Viele fallen auf Autos und Häuser. Die Deutsche Bahn verzeichnet nach eigenen Angaben größere Schäden als bei Kyrill. Sechs Menschen kommen in NRW ums Leben, 30 werden schwer verletzt. Versicherer geben an, dass der Schaden durch Ela bei 650 Millionen Euro liegt.

Januar 2015: Elon und Felix verwüsten Gebiete in ganz Europa. Elon kommt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 161 km/h. Besonders hart trifft es den Norden Deutschlands. In Schleswig-Holstein wird der Bahnverkehr eingestellt. Durch Unfälle sterben mehrere Menschen.

Orkan Friederike: Bahn stellt Zugverkehr in NRW wegen Sturm ein

6. Oktober 2017: Neun Menschen sterben, als Sturmtief Xavier über Mitteleuropa zieht - sieben davon in Deutschland. Da die Bäume noch belaubt sind, bieten sie dem Orkan eine große Angriffsfläche - viele werden daher vom Wind abgeknickt. Das Sturmtief ist in den Spitzenböen bis zu 201 km/h schnell. In Berlin wird der Nahverkehr eingestellt, auch die Flughäfen der Hauptstadt schließen zeitweise.

18. Januar 2018: Orkan Friederike wütet über Deutschland. Besonders über die Mitte von Deutschland zieht er mit mehr als 130 km/h. Fast in allen Städten erreicht Friederike mehr als 100 Kilometer pro Stunde. Zahlreiche Bäume stürzen um, Dächer werden abgehoben, Gerüste stürzen ein. In NRW sterben mindestens drei Menschen. Am Niederrhein fällt stundenlang der Strom aus. Die Deutsche Bahn stellt den Verkehr in NRW vollständig ein. Auf dem Kahlen Asten werden 142 km/h gemessen. Mit 203 km/h wird auf dem Brocken (Sachsen-Anhalt) die stärkste Böe gemessen. Sie ist schneller als die stärkste Böe bei Kyrill.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Schäden richtete "Friederike" in der Region an.

Hier gibt es das Protokoll des Tages zum Nachlesen.

(rent)
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