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Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben: Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Haftbefehl gegen Carsten S. aufgehoben : Mutmaßlicher Düsseldorfer NSU-Helfer frei

Die Bundesanwaltschaft hat zwei weitere mutmaßliche Unterstützer der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) freigelassen. Die Haftbefehle gegen Carsten S. und Matthias D. seien aufgehoben worden, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstag in Karlsruhe mit.

Laut Bundesanwaltschaft ist Carsten S. zwar weiter dringend verdächtig, den mutmaßlichen NSU-Mitgliedern Ende 1999 oder Anfang 2000 gemeinsam mit dem Beschuldigten Ralf W. die Tatwaffe zu Morden an neun Migranten beschafft und sich damit der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht zu haben.

Zur Tataufklärung beigetragen

Der Beschuldigte habe sich aber umfassend zum Tatvorwurf geäußert und entscheidend zur Tataufklärung beigetragen. Zudem habe sich Carsten S. glaubhaft von rechtsradikalem Gedankengut abgewandt und seit spätestens 2001 keine Kontakte mehr in rechtsextremistische Kreise.

Bei Carsten S. bestehe aufgrund seiner "festen sozialen Bindungen" keine Fluchtgefahr mehr. Die Bundesanwaltschaft teilte weiter mit, dass bei dem zur Tatzeit 19-Jährigen die Anwendung von Jugendstrafrecht und damit eine geminderte Strafe zu erwarten sei.

Die Verdachtsmomente gegen Matthias D. aus dem sächsischen Erzgebirgskreis, der als einer der mutmaßlichen Führer der Neonazi-Gruppe "Brigade Ost" gilt, sind weniger gravierend. Der Mann, der im Alter von 36 Jahren am 11. Dezember in Johanngeorgenstadt festgenommen wurde, soll zwei Wohnungen für die NSU in Zwickau gemietet haben.

Laut Bundesanwaltschaft hat er den mutmaßlichen Terroristen damit ein Leben unter falscher Identität ermöglicht und ihnen damit die Vorbereitung der Terroranschläge erleichtert. Nach neuen Ermittlungen reichten diese Verdachtsmomente jedoch nicht dafür aus, den Haftbefehl aufrecht zu erhalten.

Holger G. ebenfalls auf freiem Fuß

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft Holger G. auf freien Fuß gesetzt. Alle drei Unterstützer müssen jedoch mit einer Anklage rechnen. Wann sie eingereicht wird, will die Bundesanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden.

Der jahrelang unentdeckt gebliebenen Neonazi-Zelle werden neun Morde an Migranten, ein Mord an einer Polizistin sowie zwei Sprengstoffanschläge in Köln zur Last gelegt. Die mutmaßlichen Täter Böhnhardt und Mundlos waren im November nach einem gescheiterten Banküberfall in Eisenach tot in einem Wohnmobil gefunden worden, die als Mittäterin verdächtigte Beate Zschäpe stellte sich der Polizei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Carsten S. wird zum Bundesgerichtshof gebracht

(dpa/afp)