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Uli Hoeneß ruft zur Zivilcourage auf: München gedenkt des S-Bahn-Helden

Uli Hoeneß ruft zur Zivilcourage auf : München gedenkt des S-Bahn-Helden

München/Hannover (RPO). Rund 3000 Menschen haben sich am Sonntag in München trotz eisiger Temperaturen zu einer Gedenkveranstaltung für Dominik Brunner versammelt. Dazu aufgerufen hatten die Initiative "Münchner Courage" sowie die Dominik-Brunner-Stiftung. Unter anderem lobte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, den Einsatz des Geschäftsmanns.

Brunner war am 12. September am Bahnhof München-Solln von zwei Jugendlichen totgeprügelt worden, nachdem er sich schützend vor vier Kinder gestellt hatte.

Bei der Veranstaltung auf dem Odeonsplatz unter dem Motto "Nimm dein Herz in die Hand" lobte der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude Brunner als jemanden, der nicht weggesehen, sondern sich eingemischt habe.

Zudem sprach sich Ude dafür aus, die richtigen Konsequenzen aus dem Geschehenen zu ziehen, damit der Tod Brunners nicht umsonst gewesen sei: "Lassen Sie uns eine wachsamere, eine solidarischere Gesellschaft werden", sagte er. Menschen, die wie Brunner Zeugen von Unrecht werden, könnten hinsehen, Hilfe holen und Umstehende ansprechen.

Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München und Kuratoriumsvorsitzender der Dominik-Brunner-Stiftung, erklärte, im Leben wie im Fußball helfe ein starker Zusammenhalt. "Ein Mann der Tat ist gut. Elf sind besser. Heute möchte ich dazufügen: So viele wie möglich, sind am besten", sagte er. Auch Hoeneß lobte das selbstlose Handeln Brunners. "Wenn wir bedroht wären, wären wir froh, wenn uns einer wie Dominik Brunner helfen würde."

Bevor die Veranstaltung mit einem ökumenischen Gottesdienst und Chorgesängen endete, trat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ans Rednerpult. Seehofer hatte Brunner den bayerischen Verdienstorden verliehen. "Dominik Brunner war im positiven Sinne ein Held", sagte Seehofer. Dazu erklärte er, je mehr Menschen in einer Gesellschaft Zivilcourage zeigten, desto weniger Helden würde diese benötigen.

Dass das Thema Zivilcourage und Gewalt in der deutschen Gesellschaft von beklemmender Realität ist, zeigte am vierten Adventssonntag ein Vorfall in Hannover: In der Stadtbahn von Hannover griffen drei jugendliche Randalierer einen Polizeibeamten in Zivil an und verletzten den Mann. Dem Beamten eines Spezialeinsatzkommandos gelang es, einen der drei Täter festzuhalten, den beiden anderen gelang die Flucht, wie die Polizei mitteilte.

Der Vorfall ereignete sich am Freitagabend gegen 23 Uhr an der Stadtbahnendhaltestelle Stöcken. Der 18 Jahre alte Täter hatte zunächst in der Bahn zusammen mit zwei bislang unbekannten männlichen Begleitern auf die Sitze gespuckt und mehrere Fahrgäste angepöbelt. Der 44 Jahre alte Polizist sprach die Jugendlichen an und wurde daraufhin selbst mehrfach beleidigt. Nach dem Aussteigen attackierte das Trio den couragierten Beamten und verletzte ihn.

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Der Polizist erlitt Platzwunden und Prellungen im Gesicht wurde ambulant in einem Krankenhaus behandelt. Der Festgenommene war bereits zuvor mehrfach auffällig geworden. Da gegen ihn außerdem zwei Haftbefehle wegen Körperverletzungsdelikten vorlagen, wurde er umgehend in die Justizvollzugsanstalt Hannover gebracht.

(APD/pst)