Mordfall Susanna: Ali B. bekommt lebenslange Haftstrafe

Mordfall Susanna : „Weder Reue noch Mitgefühl gezeigt“ - lebenslange Haftstrafe für Ali B.

Wegen Mordes an der 14-jährigen Susanna aus Mainz hat das Landgericht Wiesbaden den Angeklagten Ali B. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Das Landgericht Wiesbaden befand den abgelehnten Asylbewerber aus dem kurdischen Teil Iraks am Mittwoch der Vergewaltigung, des Mordes und des schweren Raubs an einem Mann im Kurpark der hessischen Landeshauptstadt für schuldig. Ali B. hatte in dem Prozess gestanden, die Mainzer Schülerin in der Nacht zum 23. Mai vergangenen Jahres in einem Waldstück in Wiesbaden-Erbenheim getötet zu haben, die vorausgegangene Vergewaltigung aber bestritten.

Die zuständige Kammer des Gerichts unter dem Vorsitzenden Jürgen Bonk kam aber zu dem Ergebnis, dass auch eine Vergewaltigung vorliegt und legte dem Angeklagten zudem die besondere Schwere der Schuld zur Last, so dass er nicht automatisch nach 15 Jahren Haft entlassen werden kann. Zudem folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, eine Sicherungsverwahrung nach der Haftverbüßung vorzubehalten, so dass zu einem späteren Zeitpunkt geprüft wird, ob von ihm noch eine Gefahr ausgeht. Der Forderung der Nebenklagevertreterin von Susannas Mutter, die Sicherungsverwahrung schon jetzt zu verhängen, folgte das Gericht nicht.

Ali B. habe weder Reue noch Mitgefühl gezeigt, hieß es am Mittwoch in der Urteilsbegründung des Wiesbadener Landgerichts. „Eine Verantwortungsübernahme hätte das Geschehene nicht ungeschehen machen können“, sagte Bonk. Sie hätte aber Susannas Mutter die Chance gegeben, einen Neuanfang in einem Leben ohne ihre Tochter zu erreichen. Dazu sei der Angeklagte jedoch nicht bereit, vielleicht auch nicht in der Lage gewesen.

Weder Susannas Mutter noch die Freundinnen des Mädchens müssten sich vorwerfen lassen, irgendetwas falsch gemacht zu haben. Am Ende des Prozesses stehe eines unumstößlich fest, sagt Bonk an Ali B. gewandt: „Allein Sie, niemand anderes, trägt die Schuld am Tod von Susanna“. Ausdrücklich würdigte er das Verhalten von Susannas Mutter und ihre Zeugenaussage, die ihm persönlich Respekt abnötige. Damit sei es ihr eindrücklich gelungen, Spekulationen über Susannas Lebenswandel und das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auszuräumen.

Ali B. sei keine sozial verwahrloste Person, sondern habe bis zu seinem 18. Lebensjahr im Nordirak in einem Familienverband mit strengen Regeln, auch zum Verhältnis der Geschlechter gelebt, sagte Bonk über den Angeklagten. In Deutschland habe er dann die Möglichkeit zum Zugang zu Frauen, auch zu sexuellen Kontakten gehabt und gezielt nach sehr jungen, noch unsicheren Mädchen gesucht.

Die in der Nähe von Bahngleisen in einem Erdloch verscharrte und mit Ästen bedeckte Leiche des Mädchens wurde dort erst Tage später am 6. Juni nach einem Zeugenhinweis gefunden. Ali B. war zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Familie in den Irak zurückgereist. Dort wurde er von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen und der deutschen Bundespolizei übergeben. Deren Chef Dieter Romann brachte ihn persönlich nach Deutschland, wo sich Ali B. schließlich seit 12. März 2019 vor Gericht verantworten musste.

Mit dem Urteil folgte das Wiesbadener Landgericht im Wesentlichen dem Plädoyer von Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter. Die Verteidigung hatte auf einen konkreten Strafantrag verzichtet. Rechtsanwalt Marcus Steffel wies nur darauf hin, dass sein Mandant die Tötung gestanden habe und ganz offenkundig nicht über die Reife eines Erwachsenen verfüge.

(lukra/epd)
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