Nach Mord an Tankstelle Experten und GdP warnen vor gewaltbereiten Corona-Leugnern

Bielefeld/Essen · Nach der Tötung eines 20-jährigen Tankstellen-Mitarbeiters nach einem Streit um die Maskenpflicht haben Forscher und Polizeigewerkschafter auf eine zunehmende Gewaltbereitschaft von Corona-Leugnern hingewiesen. Dennoch sei die Tat bislang ein Einzelfall.

 Demonstranten nehmen an einer unangemeldeten Demo gegen die Corona-Maßnahmen trotz Demonstrationsverbot teil.

Demonstranten nehmen an einer unangemeldeten Demo gegen die Corona-Maßnahmen trotz Demonstrationsverbot teil.

Foto: dpa/Fabian Sommer

Der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick sagte der in Essen erscheinenden „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch), dass es schon seit dem vergangenen Jahr Hinweise für eine zunehmende Radikalisierung der Corona-Leugner-Szene gebe. „Die Feindbilder der Corona-Proteste wurden immer stärker aggressiv aufgeladen, bei den Protesten wurde immer mehr Gewalt, zunehmend auch gegen Polizei und Journalisten ausgeübt“, sagte Zick der Zeitung. Zwar handele es sich in Idar-Oberstein um einen Einzeltäter, aber auch diese würden sich meist auf eine Szene beziehen, der sie sich zuordnen, so Zick. Der Täter habe zu Protokoll gegeben, dass er wegen der Gesamtsituation gemordet habe. „Das allein drückt schon aus, dass er sich als Vertreter einer Gruppe versteht und für andere handelt, mit denen er die Ideologie teilt.“

Auch die Polizeigewerkschaft GdP warnte eindringlich vor einer Radikalisierung der Coronaleugner-Szene. „Das ist der erste Fall einer Tötung in Verbindung mit Corona“, sagte GdP-Vize Jörg Radek den Zeitungen der Funke Mediengruppe in Essen (Mittwoch). „Wir nehmen seit letztem Jahr eine Radikalisierung von Corona-Gegnern wahr. Insbesondere im Zusammenhang von Demonstrationen im Querdenken-Milieu.“ Diese schwere Straftat sei jedoch bislang ein Einzelfall.

Der Tankstellen-Mitarbeiter war am Wochenende offenbar nach einem Streit um die in der Tankstelle geltende Maskenpflicht von einem Kunden mit einem Revolver getötet worden. Der 49 Jahre alte mutmaßliche Täter wollte zuvor ohne den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz Bier kaufen. Nach der Tat war er vor der Polizeiinspektion in Idar-Oberstein festgenommen worden, wo er sich offenbar selbst stellte. Bei seiner Vernehmung gab er nach Polizeiangaben an, er lehne die Anti-Corona-Maßnahmen insgesamt ab. Bei einer Wohnungsdurchsuchung konnte die Tatwaffe sichergestellt werden.

(ala/epd)