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Montabaur: Notruf aus Lkw - Flüchtlinge drohten zu ersticken

Nahe Montabaur : Notruf aus Lkw - Flüchtlinge drohten zu ersticken

Flüchtlinge, denen auf der Ladefläche eines Lasters die Luft auszugehen drohte, haben mit einem Notruf auf sich aufmerksam gemacht. Die Gruppe hat im Aufleger eines Sattelzuges auf der Ladung gelegen - mit nur 30 Zentimetern Platz bis zum Dach.

Das berichtete ein Sprecher der Autobahnpolizei im rheinland-pfälzischen Montabaur am Samstag. Einer der Migranten habe am Freitag per Handy den Notruf gewählt. Die Polizei habe versucht, den Anrufer über Handyortung zu finden. Kurz darauf hätten mehrere Anrufer gemeldet, eine Menschengruppe sei an der Rastanlage Heiligenroth aus einem Sattelzug gesprungen. Polizisten stießen bei der Suche nahe der Raststätte sowie am Ortsrand von Heiligenroth auf acht Menschen, darunter einen Minderjährigen. Sie stammten nach eigenen Angaben aus Eritrea. Keiner von ihnen hatte den Angaben zufolge Ausweispapiere bei sich.

Der Lastwagenfahrer wurde wegen Schleuser-Verdachts vernommen. Der Sattelzug sei in den Niederlanden ohne seine Aufsicht beladen worden, gab er an. Als er in Belgien übernachtet habe, habe er aus Angst vor einem Ladungsdiebstahl die Türen des Aufliegers mit einem eigenen Vorhängeschloss gesichert. Erst beim Tanken in Heiligenroth habe er Klopfzeichen aus dem Auflieger gehört und die Türen geöffnet. Daraufhin seien sieben bis acht Menschen herausgesprungen und weggelaufen.

In Zusammenarbeit mit dem Ausländeramt Montabaur seien Strafverfahren im Zusammenhang mit der illegalen Einreise ohne Papiere eingeleitet worden, so die Polizei. Der Minderjährige sei dem Jugendamt übergeben worden. Die Migranten wollten nach eigenen Angaben ursprünglich nach England reisen.

Derweil sind innerhalb von 48 Stunden auf den Kanarischen Inseln mehr als 1000 Flüchtlinge aus Afrika gelandet. So viele Ankünfte von Migranten seien seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr verzeichnet worden, teilte das Rote Kreuz am Samstag mit. Demnach kamen seit Donnerstag 1015 Menschen an Bord von 37 Booten auf den Inseln Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa an.

Ein Sprecher des Roten Kreuzes sagte, die Flüchtlinge stammten aus dem Maghreb oder aus Ländern südlich der Sahara. Ihr Gesundheitszustand sei gut, einige litten demnach an einer leichten Unterkühlung. Alle Flüchtlinge wurden auf das Coronavirus getestet.

Seit einigen Monaten wählen Flüchtlinge aus Afrika aufgrund von europäischen Grenzkontrollabkommen mit Libyen, der Türkei und Marokko seltener das Mittelmeer als Fluchtweg in Richtung EU. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums landeten zwischen Januar und Ende September 6081 Flüchtlinge auf den Kanarischen Inseln, das sind sechsmal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

(felt/dpa/AFP)