Bistum Mainz schaltet Staatsanwaltschaft ein: Missbrauchsvorwürfe gegen katholisches Konvikt

Bistum Mainz schaltet Staatsanwaltschaft ein: Missbrauchsvorwürfe gegen katholisches Konvikt

Bensheim/Mainz (RPO). In einem katholischen Internat im südhessischen Bensheim soll es nach Zeugenaussagen bis Ende der 70er Jahre zu sexuellem Missbrauch und Misshandlungen von Schülern gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Unterdessen kritisiert die katholische Kirche Äußerungnen von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Wie das Bistum Mainz am Mittwoch berichtete, richten sich die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter des 1981 geschlossenen Konvikts sowie einen dort tätigen Priester. Erhoben hätten die Vorwürfe ein ehemaliger Mitarbeiter sowie ein früherer Schüler des Konvikts.

Das Bistum schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Der Schulleiter, bei dem es sich nicht um einen Priester handelte, sei 1979 aus dem Dienst des Bistums ausgeschieden, sagte Pressesprecher Tobias Blum. Der Priester habe nach der Schließung der Einrichtung als Gemeindepfarrer gearbeitet und sei inzwischen im Ruhestand.

Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs richte sich gegen den damaligen Schulleiter. Dagegen werde der Priester beschuldigt, Schüler aus nichtigem Anlass geprügelt zu haben. Das Knabenkonvikt war ein Internat für Schüler, die ein Gymnasium in Bensheim besuchten.

Blum sagte, die Aktenlage sei schwierig. Daher seien alle ehemaligen Schüler des Konvikts aufgerufen, sich an das Bistum oder die Staatsanwaltschaft zu wenden, sofern sie konkrete Angaben zu den Vorwürfen machen könnten. Das Bistum sei zu einer sorgfältigen Aufklärung in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bereit.

Kirche kritisiert Justizministerin

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Der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, hat die Kritik von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) an den Aufklärungsbemühungen der katholischen Kirche zurückgewiesen. Die Ministerin habe "keine Ahnung", sagte er am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin".

Früher sei bei Missbrauch von Kindern vielfach weggesehen worden. Heute kläre die Kirche derartige Fälle aber sehr radikal auf und vertrete eine Null-Toleranz-Politik. Leutheusser-Schnarrenberger hatte von einer "Schweigemauer" an katholischen Schulen gesprochen und beklagt, die katholische Kirche arbeite mit den Strafverfolgungsbehörden zu wenig zusammen.

Jüsten sicherte zu, dass die katholische Kirche selbst an der raschen Aufklärung der Missbrauchsfälle interessiert sei. Auch die Diözesen hätten den Auftrag nachzuforschen. "Wir arbeiten ganz intensiv daran, dass alles ans Tageslicht kommt." Jeder in der Kirche wisse, dass er jetzt gefordert sei.

Der Prälat bezeichnete die öffentliche Entschuldigung des früheren Regensburger Domkapellmeisters Georg Ratzinger als "wunderbares Zeichen". Er forderte andere Geistliche auf, es dem Bruder von Papst Benedikt XVI. gleich zu tun. Ratzinger hatte eingeräumt, Chormitglieder der Domspatzen geohrfeigt zu haben.

Jüsten rief zugleich dazu auf, bei den nun bekanntgewordenen Fällen zwischen körperlicher und sexueller Gewalt zu unterscheiden. Manches sei dem damaligen "Zeitgeist" geschuldet, sagte er. Jeder in der Kirche sei zu lückenloser Aufklärung aufgerufen.

Hier geht es zur Infostrecke: Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?

(apd/KNA)