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Missbrauchsfall Lügde: Niedersachsens Polizei räumt Fehler ein

Hinweisen nicht nachgegangen : Niedersachsens Polizei räumt Fehler im Missbrauchsfall Lügde ein

Der massenhafte Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde hat bundesweit für Entsetzen und Empörung gesorgt. Jetzt hat Niedersachsens Polizeipräsident Axel Brockmann Versäumnisse der Behörden eingeräumt. Man sei Hinweisen nicht nachgegangen.

Demnach erhielt die Polizei in Northeim schon im Frühjahr 2019 Hinweise auf mögliche Täter, ging diesen aber nicht nach. Zu einer Festnahme kam es erst ein Jahr später. „Die Polizei hätte die Staatsanwaltschaft informieren müssen“, sagte Brockmann der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Das Innenministerium hat den Fall dem Bericht zufolge bereits geprüft und Fehler zugegeben.

Bei den Ermittlungen in Northeim ging es um zwei Männer, die in Verbindung zum Haupttäter der Missbrauchsserie auf dem Campingplatz im lippischen Lügde (Nordrhein-Westfalen) standen, schrieb die Zeitung. Einer der Männer, ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Northeim, war im März 2020 festgenommen worden. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Der zweite Mann ist auf freiem Fuß.

Im Herbst 2019 hatte das Landgericht Detmold im Missbrauchsfall Lügde zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sie hatten auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht.

Der Skandal hatte auch schwere Verfehlungen und Behördenversagen offenbart – unter anderem im Jugendamt Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Das Jugendamt hatte einem der Haupttäter von Lügde trotz mehrerer Hinweise auf sexuell übergriffiges Verhalten die Pflegschaft für ein Mädchen übertragen.

Nach Angaben von Polizeipräsident Brockmann richtete das Innenministerium nach der Festnahme des 49-Jährigen eine Expertengruppe ein, die mögliche Versäumnisse bei der Polizei in Northeim und der verantwortlichen Polizeidirektion Göttingen prüfen sollte. Die Kommunikation zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sei „nicht eindeutig“ gewesen, sagte er dem Blatt. Strafrechtlich gebe es keine Vorwürfe, mögliche dienstrechtliche Folgen würden von der Polizeidirektion geprüft.

(felt/dpa)