1. Panorama
  2. Deutschland

Messerattacke in ICE: Die Ermittlungen können noch Wochen dauern

Nach Bluttat in Zug : Durchsuchungen in Passau auch bei Freunden des ICE-Messerangreifers

Nach der Bluttat in einem ICE ist der mutmaßliche Täter erst einmal in der Psychiatrie. Ein Gutachter hält ihn für schuldunfähig. Für die Ermittler fängt die Arbeit aber erst an.

Bei den Ermittlungen nach der Messerattacke im ICE Passau-Hamburg sind neben der Wohnung des Beschuldigten auch zwei weitere Wohnungen in Passau durchsucht worden. Es handle sich dabei um die Wohnungen von Freunden des 27-Jährigen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montag.

Die Ermittler hatten zunächst allgemein von Durchsuchungen am Wohnsitz des Mannes in Passau gesprochen. Die Wohnung des mutmaßlichen Täters war bereits am Samstag durchsucht worden, auch die anderen beiden Wohnungen wurden laut Staatsanwaltschaft bis spätestens Sonntagmittag durchsucht. Die Ermittler haben nach wie vor keine Hinweise darauf, dass der 27-jährige Syrer Mitwisser, Mithelfer oder Mittäter hatte.

In der Wohnung des Mannes seien ein Handy sowie Unterlagen in Papier- und elektronischer Form sichergestellt worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die gelte es jetzt auszuwerten. Der mutmaßliche Täter wohnte demnach in einem Studierendenwohnheim. Er ist aber kein Student. Die Ermittler machten zunächst keine Angaben dazu, warum er dennoch in dem Wohnheim lebte.

Der Mann soll am Samstagvormittag in dem ICE kurz nach Regensburg unvermittelt auf vier Männer im Alter zwischen 26 und 60 Jahren eingestochen haben. Ein Gutachter der Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er unter einer „paranoiden Schizophrenie“ leidet und Wahnvorstellungen hat. Zur Tatzeit wäre er somit nicht schuldfähig gewesen. Islamistische oder terroristische Motive seien nicht zu erkennen, sagten die Ermittler am Sonntag. Die Ermittlungen zu den genauen Hintergründen dauern an.

Zwei schwer verletzte Opfer der Messerattacke im ICE Passau-Hamburg sind weiterhin im Krankenhaus, der geständige Tatverdächtige ist jetzt vorerst in einer psychiatrischen Klinik in Regensburg untergebracht. Die Ermittlungen zum Hintergrund der Bluttat vom Samstag könnten nach Polizeiangaben aber noch Wochen, vielleicht sogar Monate dauern.

Die Ermittler werfen dem 27-Jährigen versuchten Mord in zwei Fällen, versuchten Totschlag und vorsätzliche Körperverletzung vor. Der Mann lebt seit seiner Einreise im Jahr 2014 in Niederbayern, 2016 wurde er als Flüchtling anerkannt.

  • Bekannter lebensgefährlich verletzt : Verdächtiger nach Bluttat in Ahlen stellt sich
  • Satellitenschüsseln stehen im Stadtteil Chorweiler auf
    Berechnung des Statistischen Bundesamtes : Rund zehn Prozent der Wohnungen in Deutschland überbelegt
  • Mutmaßlicher Täter festgenommen : 38-jährige Frau in Wohnung in Düsseltal erstochen

Nach der Messerattacke verlangt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft eine stärkere Polizeipräsenz in den Zügen. „Fakt ist, die Bundespolizei muss deutlich mehr Personal in den Zügen bereitstellen, das die Sicherheit beim Reisen umfassend gewährleistet“, teilte Vize-Gewerkschaftschef Martin Burkert der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Planstellen seien zwar bewilligt, aber es fehle das Personal. „Wir fordern den Gesetzgeber auf, endlich mehr Präsenz der Bundespolizei im Bahnverkehr sicherzustellen“, sagte Burkert.

(mba/dpa)