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Köln: Meisners große Geburtstagsparty

Köln : Meisners große Geburtstagsparty

Köln (RP). Wenn ein Kardinal auf seinem 75. Geburtstag noch immer gefragt wird, ob er nach 20 Jahren in seinem Bistum angekommen sei, dann spricht manches dafür, dass die zurückliegende Zeit mit dem Hirten nicht langweilig gewesen sein kann.

Nun, Joachim Kardinal Meisner nimmt's gelassen — und seine Kölner tun es auch. Zur großen und nachträglichen Geburtstagsfeier sagte es gestern Thomas Nickel, Vorsitzender des Diözesanrates, auf diese Weise: "Wir haben uns nicht geändert, aber er hat sich an uns gewöhnt."

Aber da war man schon mitten im launigen Festakt, der als eine Art Talkshow viele Weggefährten zu Wort kommen ließ, während Meisner aus dem Hintergrund die Szenerie kommentierend begleitete. Wie etwa seine guten Beziehungen zu Rom, die Meisner nur vehement bestätigen konnte. Immerhin wisse er von drei römischen Kneipen, in denen sein Konterfei hänge. Die 800-köpfige Gratulantenschar — unter ihnen auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers — war dankbar für so viel gemütliche Gelassenheit.

Zumal das Pontifikalhochamt zuvor im Hohen Dom zu Köln eine eisige Angelegenheit war. Frostfrei war die Kathedrale jedenfalls nicht, als die vielen Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle aus ganz Deutschland sowie Ungarn und Polen mit Meisner Gottesdienst feierten. Am Ende würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, das Engagement Meisners und dessen große Verdienste gerade in Fragen der Liturgie. Leidenschaft scheint ein Kennzeichen Meisners zu sein — selbst der Karneval, so Zollitsch, sei ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Aber auch die Kälte ist ihm offenkundig ein treuer Begleiter. Peter Meisner, der jüngere Bruder des Erzbischofs, erinnerte sich daran, dass es zur Priesterweihe 1962 in Erfurt so kalt war, dass die Musikinstrumente einfroren.

Das Fest zum 75. war keine Abschiedsfeier. So wird Meisner eins der wichtigsten Bistümer der Welt auf Bitten des Papstes auch künftig führen. Ohnehin ist die Ruhestandsregelung in der katholischen Kirche beispiellos. Mitunter, so orakelten gestern einige mit Blick auf Rom, tun sich bei deutschen Kardinälen selbst im 78. Lebensjahr noch ganz neue Berufsperspektiven auf.

(RP)