Statistischer Ländervergleich: Mehrheit der ostdeutschen Kinder kommt unehelich zur Welt

Statistischer Ländervergleich : Mehrheit der ostdeutschen Kinder kommt unehelich zur Welt

Leipzig (RPO). Mehr als jedes zweite Kind in Ostdeutschland kommt unehelich zur Welt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Westen. Auf diesen deutlichen Unterschied zwischen West und Ost macht jetzt eine Studie aufmerksam.

Wie eine Studie des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigt, liegt die sogenannte Nichtehelichenquote in den ostdeutschen Ländern im Schnitt bei 57 Prozent, im Westen hingegen nur bei rund 25 Prozent. Dabei zeigten sich jedoch große Unterschiede bei den jeweiligen Extremwerten, teilte das Institut am Donnerstag in Leipzig mit.

Während vor allem in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs mitunter nur 15 Prozent der Kinder von einer nicht verheirateten Mutter geboren würden, seien es in Teilen Ostdeutschlands, vor allem in Vorpommern, bis zu 70 Prozent. In West wie Ost steigt der Anteil der nicht-ehelichen Kinder jedoch schon seit Jahren.

Mit einer Erklärung des Effekts tun sich die Leibniz-Forscher indes schwer. Schon vor 1945 seien Unterschiede bei den nicht-ehelichen Geburten zu erkennen gewesen. Diese beruhten nach Einschätzung der Wissenschaftler auf konfessionellen Unterschieden und politischen Einflussfaktoren.

So ist beispielsweise noch heute laut Leibniz-Institut das katholische Eichsfeld in Thüringen die Region mit den wenigsten nicht-ehelichen Kindern im Osten. Den stärksten Einfluss aber hatte vermutlich die DDR-Familienpolitik, die zeitweise ledige Mütter gegenüber verheirateten bevorzugt hatte, während das westdeutsche Steuersystem das Kinderkriegen innerhalb der Ehe förderte.

Die Wissenschaftler betonten jedoch, dass der Anstieg der Nichtehelichenquote nicht gleichzusetzen sei mit dem Anstieg alleinerziehender Frauen. Denn die Mehrzahl der Frauen, die bei der Geburt ihres Kindes unverheiratet ist, lebe mit einem Partner zusammen. Ob eine Frau alleinerziehend ist, hänge in Ost wie West hingegen eher von Alter und Bildungsstand ab.

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(DDP/pst)
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