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Gedenkfeiern in Dresden: Mehrere Tausend Neonazis erwartet

Gedenkfeiern in Dresden : Mehrere Tausend Neonazis erwartet

Dresden (RPO). Samstag ist der 65. Jahrestag des Bombardements auf Dresden. Mit einer Beisetzung der sterblichen Überreste von Luftkriegstoten auf dem Johannisfriedhof und einer Kranzniederlegung haben am Freitag die Gedenkveranstaltungen begonnen. Für Samstag rechnet die Stadt mit einem Aufmarsch von Tausenden Rechtsextremisten und Gegendemonstranten.

Die Gebeine der 14 Menschen waren nach Angaben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im vergangenen Jahr bei Bauarbeiten in Dresden geborgen worden. Nur zwei der Toten konnten identifiziert werden.

Die Gedenkrede hielt der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter. Mit Blick auf die geplante Neonazi-Demonstration am Samstag durch Dresden mahnte Richter, die Gegner des Friedens dürften diesen Gedenktag nicht instrumentalisieren.

Die Dresdner Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Gisela Claus, sagte, der 13. Februar sei ein Gedenktag, bei dem die Toten des Luftangriffes auf Dresden im Mittelpunkt stünden. Der Kampf gegen Rechtsextremisten sei "richtig und wichtig". Er müsse an diesem Tag jedoch im Stillen und nicht mit lauten Parolen geführt werden.

Am Vormittag hatten Politiker an der Gedenktafel für die deportierten Juden am Neustädter Bahnhof Kränze niedergelegt. Für Samstag hat unter anderem Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zur Teilnahme an einer Menschenkette aufgerufen. Damit wollen die Dresdner dem Neonazi-Aufmarsch entgegentreten.

Rechtsextremer "Trauerzug"

Die rechtsextreme "Junge Landsmannschaft Ostdeutschland" hat für Samstag einen "Trauerzug" durch die Stadt angemeldet. Erwartet werden zwischen 6500 und 8000 Neonazis aus ganz Europa sowie Tausende Gegendemonstranten.

Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hatte die von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) geplante Demonstration am Donnerstag endgültig genehmigt. Diese darf allerdings nicht auf der ursprünglich geplanten Route in der Altstadt stattfinden, sondern wird auf die Neustädter Seite verlegt. Wie die Stadt Dresden am Freitag mitteilte, gilt eine zeitliche Beschränkung von 12.00 bis 17.00 Uhr. Die JLO hatte einen Zeitraum von 10.00 bis 24.00 Uhr angemeldet.

Auf der anderen Seite der Elbe, in der Altstadt, sollen sich die Gegendemonstranten versammeln. Das breite Bündnis wird von Oberbürgermeisterin Helma Orosz angeführt. Ab 13.00 Uhr wollen die Teilnehmer mit einer Menschenkette und weißen Rosen symbolisch die Dresdner Altstadt gegen Rechtsextremisten abriegeln. Auf diese Weise wollen sie ein Zeichen für die Überwindung von Krieg, Rassismus und Gewalt setzen.

"Zum ersten Mal ist es uns in diesem Jahr gelungen, ein breites und starkes Bündnis von Dresdner Organisationen und Institutionen zusammenzuschließen", sagte Orosz. So wolle man gemeinsam der Zerstörung der Stadt und des Todes Zehntausender Menschen am 13. Februar 1945 gedenken. Die Bürgermeisterin hofft auf 10.000 Teilnehmer.

Die rechte Szene ruft seit Jahren zu sogenannten "Trauermärschen" für die Opfer des Bombardements in der Nacht auf den 14. Februar 1945 auf. In diesem Jahr erwarten die Anmelder nach eigenen Angaben Teilnehmer aus Deutschland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Frankreich und Spanien.

Neben dem Aufruf der Oberbürgermeisterin zum friedlichen Protest gibt es zahlreiche weitere angekündigte Gegenveranstaltungen. Nicht auszuschließen ist, dass es dabei bis zu 30.000 Teilnehmer geben könnte. Bis zu 2000 Gewaltbereite werden erwartet.

Um gewalttätige Auseinandersetzungen zu verhindern und die verschiedenen offiziellen Gedenkveranstaltungen abzusichern, werden voraussichtlich zwischen 6000 und 8000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet in Dresden zusammengezogen.

Das Oberverwaltungsgericht hat betont, dass die städtische Behörde konsequent das Trennungsgebot umsetzen muss, um einen friedlichen Verlauf aller Versammlungen zu gewährleisten. "Dies wird die Stadt gemeinsam mit der Polizei nun strikt umsetzen", teilte Pressesprecher Kai Schulz mit. Er fügte hinzu: "Wir bedauern, dass die Auflage einer stationären Kundgebung vor dem OVG keinen Bestand hatte. Positiv zu bewerten ist aber, dass jetzt Klarheit über die abschließende Festsetzung der Route und über die Durchsetzung des Trennungsgebotes herrscht.

Bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 kamen nach den 2008 vorgelegten Ergebnissen einer von der Stadt eingesetzten Historikerkommission bis zu 25.000 Menschen ums Leben.

(DDP/AP)