Marienerscheinung in Unterflossing: Und tausend Küsse von Maria

Marienerscheinung in Unterflossing: Und tausend Küsse von Maria

Im bayerischen Unterflossing ist die Mutter Gottes erschienen. Das zumindest behauptet ein italienischer Seher. Und erweckt damit eine Welt zwischen Marienverehrung und Scharlatanerie zum Leben.

Salvatore Caputa hält die Gebetskette nach oben und schaut angestrengt in den grauen Himmel von Unterflossing. Punkt 16.30 Uhr durchzuckt es den 73-jährigen Mann mit dem Schnauzbart. Kurz wirkt er erschrocken, dann fällt er auf die Knie. "Jetzt ist wohl die Maria da", flüstert eine Frau in der Gruppe aus 300 Menschen, die sich um Caputa geschart haben. Nach zehn Minuten erhebt sich der Italiener wieder und geht durch die Menge in einen kleinen Bauwagen. "Er schreibt jetzt auf, was Maria ihm gesagt hat", erklärt Otto Masszi, einer der Organisatoren dieses mystischen Events im bayerischen Inntal, 85 Kilometer östlich von München.

Er ist wieder da, Caputa, der Seher. An diesem Samstagnachmittag, zum dritten Mal an der kleinen St.-Laurentius-Kapelle von Unterflossing. Salvatore Caputa sagt, er hat Marienvisionen. Die Gottesmutter, Mutter Jesu Christi, erscheint ihm und spricht mit ihm. Letztes Frühjahr war das so an diesem Ort, dann im Spätsommer und nun an diesem eisig-windigen Tag Mitte März.

Die Menschen sitzen auf Campingstühlen an der Marienstatue vor der Kapelle. Die Leute stammen nicht nur aus der Umgebung, sie kommen auch aus dem württembergischen Biberach, aus Linz in Österreich oder Klagenfurt. Die ganze kleine Straße ist vollgeparkt mit Autos. Die Menge murmelt unablässig: "Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name."

Zwischen Marienverehrung und Scharlatanerie

Was geschieht in Unterflossing? Die Deutung schwankt zwischen Marienverehrung und Scharlatanerie. Vielleicht muss man versuchen, es von der St.-Laurentius-Kapelle her zu erklären. Die war ein marodes, verfallendes Bauwerk mitten im Nirgendwo. Bis Otto Masszi, ein Chorleiter und Angestellter bei der Regierung von Oberbayern, sie vor einigen Jahren gekauft und mit viel Arbeit und Geld restauriert hat. Für Masszi ist die Kapelle ein "Kraftort". Auf den Seher Caputa ist er schon bei dessen früheren Einsätzen gestoßen. Masszi schrieb Caputa, und der stellte fest, dass Maria gerne in Unterflossing erscheint.

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Die Kernfrage lautet immer wieder: Hat jemand Maria gesehen oder gespürt? Dieter Hetzel, ein Mann aus Mühldorf, sagt: "Auf das Wissen kommt es nicht an, sondern auf den Glauben." Eine Frau mittleren Alters meint: "Ich weiß nicht, ob Herr Caputa ein Schauspieler ist. Aber mir hilft es, ich will glauben."

Gegen 17 Uhr kommt Salvatore Caputa wieder und berichtet: "Die Madonna ist hergekommen, um alle zu umarmen. Sie sagte: Liebt einander und seid in Frieden." Der Mann aus Sizilien, der einmal Carabiniere war, fährt fort: "Die Mutter Gottes gibt allen einen Kuss - nehmt diesen Kuss mit nach Hause in eure Familien." Weiter weiß er zu berichten, dass Maria ein weißes Kleid getragen hat und von zwölf Engeln begleitet wurde. Sie kommt am 8. September wieder nach Unterflossing.

Erzdiözese äußert sich skeptisch

Die Kirche ist von dem Treiben wenig angetan. In einer Erklärung distanziert sich die Erzdiözese München-Freising davon und stuft Caputa als "äußerst fragwürdig" ein. Seinen Priestern verbietet das Bistum, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Zwar gibt es bei den Katholiken offiziell anerkannte Marienerscheinungen, aber nur sehr wenige. Dazu zählen etwa Lourdes im Jahr 1858 und Fatima 1917. Geht es in Unterflossing ums Geld? Der Förderverein St.-Laurentius-Kapelle verteilt Beitrittserklärungen, doch der Vorsitzende Erich Neumann sagt, der Mindestbeitrag liege nur bei einem Euro jährlich. Dass niemand außer Caputa Maria tatsächlich sieht, ist für ihn leicht erklärbar: "Die Erscheinung sieht immer nur der Seher."

(RP)