Mann im Maisfeld erschossen: Der tödliche Fehler eines Jägers

Mann im Maisfeld erschossen : Der tödliche Fehler eines Jägers

Wohl aufgrund einer Verwechslung hat ein Jäger in Nauen in in Brandenburg einen Mann erschossen. Seine Kollegen zeigen sich entsetzt. So ein Unfall dürfe nicht passieren, sagen Experten.

Während der Dämmerung habe er nahe einer Champignon-Farm auf einem Hochstand auf Wild gewartet, sagte er der Polizei bei einer ersten Vernehmung. Als er es in einem Maisfeld rascheln hörte, habe er angelegt und geschossen.

Statt seiner Jagdbeute entdeckte er dann das angeschossene Liebespaar im Mais. Ein von dem Jäger herbeigerufener Notarzt konnte nur noch den Tod des getroffenen Mannes feststellen. Die 23-jährige Frau musste notoperiert werden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. "Es ist einfach tragisch", sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbands, "und wühlt uns alle auf." Zurzeit gehe der Jagdverband von einem Unfall aus.

Die tödlichen Schüsse in Nauen hätten unter Umständen verhindert werden können. Denn laut Jagdverband gelten für die Jäger klare Regeln: Zum einen muss ein Jäger das Tier, das er erlegen möchte, immer "ansprechen", das heißt, er muss Sichtkontakt herstellen und feststellen, um welche Tierart es sich handelt, welches Geschlecht das Tier und ob es Junge hat. Muttertiere dürfen nicht geschossen werden. Zum anderen muss eine Hintergrundgefährdung ausgeschlossen werden. Die Kugel darf nach dem Abschuss nicht unkontrolliert weiterfliegen, sondern muss unmittelbar ausgebremst werden, etwa vom Erdboden. "Kugelfang" nennen das die Jäger. In Nauen hatte das Geschoss zunächst den Mann durchschlagen und anschließend seine Begleiterin am Arm getroffen.

"Auf Verdacht in den Mais zu schießen, nur weil es raschelt, ist eine Missachtung der Jagdregeln", sagt Torsten Reinwald. "Waffenträger unterliegen einer besonderen Sorgfaltspflicht", sagt Andreas Schneider, Sprecher des Landesjagdverbands Nordrhein-Westfalen.

Vier Fälle, in denen Unbeteiligte durch Jagdwaffen getötet wurden, habe es in den vergangenen 15 Jahren gegeben, sagt Reinwald. Vier tödliche Unfälle von an der Jagd beteiligten Personen habe der Verband im vergangenen Jahr registrieren müssen. In NRW gab es laut Deutschem Jagdverband in den vergangenen fünf Jahren drei Unfälle mit Jagdwaffen: 2011 wurden ein Unbeteiligter und ein Jäger durch Geschosse verletzt. 2014 wurde ein Unbeteiligter in Kempen durch eine Kugel verletzt. Ein Unglück mit tödlichem Ausgang hatte es vor dem Fall in Nauen im Allgäu gegeben: Ein 50-Jähriger wurde im Januar von einem Schuss aus seiner eigenen Waffe getötet. Die Kugel hatte sich gelöst, als der Mann von seinem Hochsitz stieg. "Unfälle mit Waffen und Munition, egal ob mit geringen oder schwerwiegenden Folgen sind bei der Jagd sehr selten", sagt Andreas Schneider. "Wenn etwas passiert, dann sind es laut Unfallstatistik meistens Sturz- oder Schnittverletzungen."

Ein Fall wie in Nauen dürfe einfach nicht passieren, sagt Stefan Befeld, Sprecher des NRW-Landesbetriebs Wald und Holz. "Wenn sich ein Jäger nicht absolut sicher ist, darf er die Waffe nicht anlegen." Für Spaziergänger bestehe grundsätzlich keine Gefahr in den Wäldern, sofern sie sich an Verbote und Warnhinweise hielten. Dennoch solle man in den frühen Morgenstunden und bei Dämmerung Rücksicht auf Wild und Jäger nehmen. Auch wenn Letztere in der Verantwortung seien. "Es ist nach wie vor sicher, im Wald oder auf einem Feld spazieren zu gehen", sagt auch Torsten Reinwald. "Kein Jäger kann sich rausreden. Es gelten die Grundregeln."

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