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Linus Förster: Fast vier Jahre Haft für früheren bayerischen SPD-Politiker

Sexueller Missbrauch : Fast vier Jahre Haft für früheren SPD-Politiker Förster

Das Landgericht Augsburg hat den früheren bayerischen SPD-Landtagsabgeordneten Linus Förster wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Er muss für drei Jahre und zehn Monate in Haft.

Förster habe sich unter anderem des schweren sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Frauen und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen schuldig gemacht, urteilte das Gericht am Freitag. Außerdem verurteilte es den ehemaligen Abgeordneten und SPD-Funktionär wegen Besitzes von Kinderpornografie.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die vier Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte, während die Verteidigung des geständigen früheren Politikers auf eine Höchststrafe von maximal drei Jahren Haft plädiert hatte. Der seit Ende vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzende Förster saß seit 2003 im Landtag und war in der bayerischen SPD im Landesvorstand und -präsidium. Er trat inzwischen aus der Partei aus.

In der vergangenen Woche war ein Missbrauchsvorwurf gegen Förster zurückgenommen worden. Diesen Fall hatte der 52-jährige Förster bestritten. Zugegeben hatte er, sich an zwei schlafende Frauen vergangen zu haben. Von zwei Freundinnen und einer Prostituierten hatte er zudem heimlich Sex-Videoaufnahmen gemacht. Auf Försters Computerspeichern wurden von den Kripo-Ermittlern neben zahlreichen anderen pornografischen Bildern und Videos auch Kinderpornos entdeckt.

Richter Lenart Hoesch wertete das Geständnis Försters als erheblich strafmildernd. Außerdem sei zu Gunsten des Schwaben zu bewerten gewesen, dass dessen narzisstische Persönlichkeit die Taten begünstigt habe. "Ganz erheblich" zu Gunsten Försters sei zu bewerten gewesen, dass er seine gesamte berufliche Existenz und Reputation verloren habe. Der ehemalige Politiker sei "erledigt".

Bei der Strafhöhe wirkte sich außerdem mildernd aus, dass Förster seinen Opfern als Täter-Opfer-Ausgleich Geld bezahlt hatte. Insgesamt zahlte er mehr als 30.000 Euro aus, nur eine der Frauen lehnte eine Zahlung ab.

Der Richter rügte Försters Verteidiger Walter Rubach, der gesagt hatte, im Fall einer als Opfer betroffenen Prostituierten habe Förster der Frau durch die Zahlung 25 Freier erspart. Hätte der Angeklagte dies selbst gesagt, wäre der Täter-Opfer-Ausgleich nicht anerkannt worden, sagte der Richter.

Der Verteidiger kündigte an, eine Revision gegen das Urteil ernstlich zu prüfen. Er habe die Beweisaufnahme anders gesehen als das Gericht, insbesondere habe das Gericht Tatabläufe anders beschrieben, als von Förster geschildert. Dagegen sagte der Rechtsanwalt einer als Hauptopfer geltenden Frau, die Nebenklage verzichte auf Revision — das Gericht habe mit dem Urteil "die goldene Mitte" getroffen.

(vek)