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Problembär Bruno: Letzte Ruhestätte im Museum

Problembär Bruno : Letzte Ruhestätte im Museum

München (RPO). Es ist nicht ganz zwei Jahre her, dass ein Bär die Republik in Atem hielt. Nach einigen Tagen war der Spuk vorbei: Jäger hatten den Problembären Bruno in Bayern erlegt. Nun findet der Einwanderer aus Italien seine letzte Ruhestätte - wohl präpariert - in einem Münchener Museum.

Der ausgestopfte Braunbär Bruno scheint den Besucher des Münchner Museums "Mensch und Natur" überrascht anzusehen. Es wirkt, als fühle er sich dabei gestört, wie er genüsslich drei Bienenstöcke zerlegt, um an ihren süßen Inhalt zu gelangen. So oder ähnlich hätte es passieren können, erklärt Museumsdirektor Michael Apel am Mittwoch. Das Diorama, in dem der Bär ab Donnerstag als Teil der Dauerausstellung des Museums gezeigt wird, ist einem Ereignis aus dem Sommer 2006 nachempfunden.

Am 16. Juni hatte Bruno damals im oberbayerischen Kochel am See die Bienenstöcke eines Imkers geplündert. Es war einer von vielen Besuchen in der Nähe des Menschen, die Bruno den Status als Problembär und Gefahr einbrachten und letztlich zu seinem viel kritisierten Abschuss am 26. Juni 2006 führten.

Diese Problematik haben Apel und Präparator Dieter Schön bewusst in die Darstellung des Bären einbezogen. Bruno, dessen offizieller Name JJ1 war, sei allein durch die Nähe zu Menschen nicht gefährlich gewesen, sagt Apel. Doch wenn er überrascht worden wäre, hätte es zu einer gefährlichen Situation kommen können. Auch Schön spricht von einem Mittelweg; er habe Bruno weder als Bestie noch als Kuschelbären darstellen wollen. Zwischenzeitlich sei auch im Gespräch gewesen, Bruno über einem gerissenen Schaf darzustellen, sagt Apel, doch das sei letztlich als zu blutrünstig ausgeschieden.

Mit Honigwaben und Bienen wirkt Bruno sympathisch

Und blutrünstig wirkt der ausgestopfte Bär mit seinen Glasaugen und Plastikkrallen wirklich nicht. Fast ist man ein bisschen überrascht, wie klein er ist, kaum größer als ein kräftiger Mann. Und mit den Honigwaben in seinem Maul und Bienen auf seiner Nase erscheint er dem Betrachter sympathisch, obwohl auch sein Respekt einflößendes Gebiss zu sehen ist.

Auch Präparator Schön ist die Zuneigung zu seinem Werk anzumerken. Mehr als 1.400 Stunden Arbeit hat er investiert. Nach Plastilin-Modellen mehrerer möglicher Darstellungen folgte ein lebensgroßes Tonmodell, das aus Kunststoff nachgegossen und mit Brunos Fell überzogen wurde. Für das Diorama setzte er mehr als 1.000 Kunst-Bienen an ihren Platz und baute sogar die Original-Bienenstöcke nach. Bruno zu präparieren, sei ein außergewöhnlicher Auftrag gewesen, sagt er. Aber der Bär sei eben auch etwas Besonderes.

In der Dauerausstellung des Museums hat Bruno einen eigenen Raum bekommen, der neben dem Diorama auch ausführliche Informationen über seinen Weg aus dem Trentino, wo er 2004 geboren wurde, nach Bayern zeigt. Auch die Probleme, die beim Zusammenleben von Mensch und Bär entstehen, zeigt die Ausstellung - ebenso den Medienrummel, der um Bruno und seinen Abschuss entstand.

Neue Bären-Einwanderung nach Bayern denkbar

Bärenexperte Manfred Wölfl hofft, dass es um den nächsten Bären, der nach Bayern kommt, ruhiger sein wird. In den nächsten Jahren könnte es durchaus dazu kommen, sagt er. 2008 würden voraussichtlich drei Bären aus dem Trentino auswandern. So fing damals auch Brunos Weg an. 2009 könnten es sogar zehn Bären sein, die das Trentino verlassen. "Das wird eine spannende Zeit, sagt Wölfl.

Diesmal wäre Bayern besser vorbereitet, betont Christoph Himmighofen vom bayerischen Umweltministerium. Es gebe inzwischen einen Bärenmanagementplan. Ob ein Plan Bruno gerettet hätte, ist aber zu bezweifeln. Der Plan sehe zwar Schutz für Bären vor, doch ein Bär, der heute dasselbe Verhalten wie Bruno an den Tag legen würde, müsste erneut aus der Natur entnommen werden, sagt Himmighofen.

Das würde allerdings nicht zwangsläufig Abschuss bedeuten. Auch Bruno sollte 2006 zunächst eingefangen werden. Erst als eigens eingeflogene finnische Bärenjäger scheiterten, fiel sein Todesurteil.

Es gibt also Hoffnung, dass der nächste bayerische Bär nicht Brunos Schicksal teilt und als Glanzstück einer Ausstellung für immer Bienenstöcke zerlegen muss.

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(ap)