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25-Jähriger verurteilt: Lebenslange Haft für "Ehrenmord"

25-Jähriger verurteilt : Lebenslange Haft für "Ehrenmord"

Wiesbaden (rpo). Weil er seine Schwester ermordet hat, ist ein 25-jähriger Deutsch-Türke zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht geht davon aus, dass der junge Mann seine Schwester erschossen hat, weil diese einen deutschen Freund hatte.

Der 25-jährige Ali K. hatte am 13. Juni 2005 seine 20-jährige Schwester Gönül während einer Aussprache getötet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mord geplant war und nicht - wie vom Angeklagten behauptet - im Affekt geschah.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Türken lebenslange Haft wegen Mordes sowie die Feststellung der "besonderen Schwere der Schuld" beantragt, was zur Folge gehabt hätte, dass Ali K. nicht nach 15 Jahren hätte entlassen werden können. Dem verschärften Strafmaß wollte das Gericht jedoch nicht folgen. Nach Einschätzung der Strafverfolger hatte der Angeklagte seine Schwester erschossen, weil er deren Beziehung zu einem jungen Deutschen als unehrenhaft empfand. Die Verteidiger hatten auf Totschlag plädiert, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Der Angeklagte selbst hatte während des Prozesses bestritten, dass er an der Verbindung seiner Schwester mit einem Deutschen Anstoß genommen habe. Er sei am Tattag mit seiner Schwester in Streit geraten. Da sie ihn als Versager beschimpft habe, sei er in Wut geraten und habe im Affekt mehrere Schüsse auf sie abgegeben. Die 20-Jährige war Anfang Juni 2005 von zu Hause weggelaufen und hatte sich in einer Gartenhütte versteckt, die der Familie ihres Freundes gehörte. In dieser Gartenhütte fielen am 13. Juni 2005 dann auch die tödlichen Schüsse.

Nach Ansicht des Gerichts, das dem Angeklagten keinen Glauben schenkte, erfüllte der Mord den Tatbestand der Heimtücke. So habe der spätere Todesschütze seiner Schwester in mehreren persönlichen Gesprächen versichert, ihr und ihrem Freund werde nichts geschehen. Dann sei der 25-Jährige aber mit einer geladenen Pistole zu der Gartenhütte gegangen und habe den Freund seines Opfers wegkomplimentiert, um dann das gesamte Magazin leer zu schießen. Daraus zog das Gericht den Schluss, dass die Tat sehr wohl geplant war.

Hinzu komme, dass sich der 25-Jährige noch am Tag vor der Tat mit dem Freund seiner Schwester getroffen und versprochen habe, die nötigen Formalitäten für eine Eheschließung zwischen den beiden zu klären, erklärte das Gericht. Dadurch hätten sich das Opfer und ihr Freund offenbar in Sicherheit vor Nachstellungen durch die Familie gewähnt. Es sei "nach den Maßstäben der deutschen Gesellschaft jedenfalls unerträglich", so der Richter, dass jemand sterben müsse, nur weil er sich den Traditionen seines Heimatlandes entziehen und ein eigenständiges Leben führen wolle.

(ap)