Prozess um Ehrenmord an Büsra: Lebenslang für Vater wegen tödlicher Messerstiche

Prozess um Ehrenmord an Büsra: Lebenslang für Vater wegen tödlicher Messerstiche

Schweinfurt (RPO). Weil er seine schlafende Tochter mit 68 Messerstichen regelrecht hingerichtet hat, muss ein Mann aus Nordbayern lebenslang hinter Gitter. Das Schwurgericht Schweinfurt verurteilte den 46-jährigen Mehmet Ö. am Mittwoch wegen Mordes.

Er hatte gestanden, die 15 Jahre alte Büsra im Juni 2009 getötet zu haben - aus Angst, sie an einen Mann zu verlieren. Die lebensfrohe Gymnasiastin hatte einen weltlichen Lebensstil und war überdies mit einem türkischstämmigen Jungen befreundet.

"Er hat seine Tochter deshalb getötet, weil er es nicht ertragen hat, dass sie eine Beziehung zu einem jungen Mann eingegangen ist, die er nicht gebilligt hat", sagte die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ott. Einen religiösen Hintergrund oder gar einen sogenannten Ehrenmord schloss sie aus.

Mehmet Ö. sei vielmehr zutiefst darüber gekränkt gewesen und in seiner persönlichen Eitelkeit verletzt worden, dass seine Tochter nicht seinem Willen gefolgt sei. Diese Familientragödie sei ein auch im Nachhinein unfassbares Ereignis, betonte Ott.

Mit ihrem Urteil folgte die Kammer dem Antrag von Oberstaatsanwalt Rainer Gündert. Verteidiger Jan Paulsen hatte indes eine "zeitige Strafe" gefordert. Sein Mandant sei aufgrund einer schweren Depression nur vermindert schuld- und steuerungsfähig gewesen, erklärte er. Er habe seine Tochter über alles geliebt und zunehmend unter irrationalen Wahn- und Angstvorstellungen um das Mädchen gelitten.

  • Hinetrgrund : Die wichtigsten Fragen zum Thema "Ehrenmord"

"Bestialisch abgeschlachtet"

Der Anwalt der als Nebenklägerin aufgetretenen Mutter des Mädchens schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Er sprach allerdings von einer besonderen Schwere der Schuld. Danach käme Mehmet Ö. nicht nach 15 Jahren Haft wieder auf freien Fuß. Büsra sei "bestialisch abgeschlachtet" worden, sagte Anwalt Michael Schulze.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung bat Mehmet Ö. für den Mord erneut um Entschuldigung. "Ich bereue sehr, was ich gemacht habe, das war ein großer Fehler", sagte er. Er sei in der Rolle eines Vaters, der den Verstand verloren habe. "Ich habe sie getötet, um sie vor den schlimmen Sachen zu schützen".

(apd/csr)