Lange Haare in der Bundeswehr: Soldat scheitert mit Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht

Streit um lange Haare : Soldat scheitert mit Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht

Hat ein Soldat ein recht darauf, lange Haare zu tragen? Diese Frage musste am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig klären.

Weil er als Soldat keine langen Haare tragen darf, hatte sich ein Stabsfeldwebel mit der Bundeswehr vor Gericht auseinander gesetzt. Seine Beschwerde gegen den sogenannten Haar- und Barterlass der Truppe wurde am Donnerstag vor dem 1. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig allerdings zurückgewiesen. Doch bedürfe die Regelung einer Überarbeitung, stellten die Richter fest. Die ausreichende gesetzliche Grundlage für die Vorschrift fehle. Der vorsitzende Richter sprach deswegen von einem "Teilerfolg" für den 51-Jährigen.

Das Gericht urteilte am Donnerstag auch, dass eine Vorschrift zu den Äußerlichkeiten der Soldaten grundsätzlich notwendig sei. Das Ansehen der Bundeswehr hänge auch vom Aussehen der Soldaten ab.

Der Soldat arbeitet im Verteidigungsministerium in Bonn ohne repräsentative Wirkung, ist nach eigenen Angaben Anhänger der Gothic-Szene und würde gerne selber lange Haare tragen.

Er hielt die entsprechende Dienstvorschrift des Verteidigungsministeriums für diskriminierend, weil sie Frauen das Tragen langer Haare erlaube, Männern aber nicht.

Früher sei Männern mit langen Haaren eine besondere Männlichkeit nachgesagt worden, argumentiert er. Er verstehe darum nicht, warum die Zentrale Dienstvorschrift sie nur bei Frauen zulasse.

Dem Erlass der Bundeswehr nach dürfen die Haare von Soldaten Ohren und Augen nicht bedecken. Bei aufrechter Kopfhaltung dürfe die Frisur Uniform- und Hemdkragen nicht berühren. Soldatinnen hingegen dürfen ihre Haare im gleichen Fall zum Zopf binden.

Im Dezember 2013 hatte sich das Bundesverwaltungsgericht mit einem ähnlichen Fall beschäftigt. Damals entschied der 1. Wehrdienstsenat, dass das Bundesverteidigungsministerium die Haar- und Barttracht von Soldaten regeln darf. Dass Soldatinnen längere Haare erlaubt sind, stelle "eine zulässige Maßnahme zur Förderung von Frauen in der Bundeswehr dar", lautete damals die Entscheidung.

In der zentralen Dienstvorschrift heißt es weiter, die Haartracht der Soldaten müsse sauber und gepflegt sein. "Modische Frisuren sind erlaubt, sofern sie nicht in Schnitt und Form besonders auffällig sind (z. B. Irokesenschnitte, Ornamentschnitte, Sidecuts)." Soldaten seien Repräsentanten des Staates und bestimmten durch ihr Auftreten in Uniform und ihr korrektes Aussehen das Bild der Bundeswehr in der Öffentlichkeit und das Bild Deutschlands im Ausland. "Deshalb muss dort die Freiheit zur individuellen Gestaltung des äußeren Erscheinungsbildes gegenüber der sichtbaren Einbindung in die militärische Gemeinschaft zurücktreten."

(felt/dpa)
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