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Küken: Zoos befürchten Engpässe wegen Tötungsverbot

Engpässe wegen Tötungsverbot befürchtet : Zoos verfüttern fast 20 Millionen Küken pro Jahr

Aus für millionenfaches Kükentöten ab 2022

„Fleischfresser können nicht mit Salat gefüttert werden.“ Das ist nicht der einzige Kritikpunkt am Verbot des Kükentötens, das der Bundestag verabschiedet hat, den der Verband der Zoologischen Gärten in Deutschland formuliert.

„Das generelle Tötungsverbot erschwert die Versorgung von Fleischfressern in Deutschland und fördert den Import von Küken zu Futterzwecken nach Deutschland aus dem europäischen Ausland“, erklärte der Verbandspräsident und Direktor des Zoo Leipzig, Jörg Junhold, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Freitag). „Dies ist nicht nur unehrlich, sondern auch ökologisch und finanziell unlogisch.“

Junhold betonte, dass die Direktoren der deutschen Zoos sich zum Tierschutzgedanken bekennen. „Die Tatsache, dass das Töten männlicher Küken aus wirtschaftlichen Gründen nicht als vernünftiger Grund angesehen wird, ist nachvollziehbar“, so der VdZ-Präsident. Es hätte dennoch einer Klarstellung bedurft, dass das Töten von überzähligen Jungtieren aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht erlaubt ist, erklärte der Veterinär. „Die sollte zudem für alle Tierarten gelten, oder was macht ein Küken wertvoller als Nacktmäuse oder Kälber?“

Das generelle Töten von Küken, ohne jede Ausnahme zu verbieten, widerspreche dem Grundsatz im Tierschutzgesetz, wonach niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf, sowie dem Grundsatz der Gleichheit aller Tierarten, sagte der Zoodirektor. „Denn Fleischfresser können nicht mit Salat gefüttert werden.“

Die politische Begründung, die Zoos könnten ihre Futterküken künftig aus anderen europäischen Ländern einführen, mache ihn „fassungslos“, so Junhold. „Das ist unehrlich und zeigt den Widerspruch der ganzen Gesetzesänderung auf.“
Laut dem Fachtierarzt für Zoo- und Gehegetiere, Dominik Fischer, der als Kurator beim Grünen Zoo Wuppertal tätig ist, Beispiele für Zootiere, für die die Futterküken die beste, artgerechte Nahrung sei. Darunter seien heimische Wildkatzen und Raubvögel, aber auch Polarfüchse, Warane, Krokodile, Schlangen und auch Vogelspinnen. Hochrechnungen liege der Bedarf an Futterküken in deutschen Zoos und Falknereien bei rund 19,6 Millionen Küken pro Jahr.

Der Bundestag hatte am Donnerstag das Verbot des massenhaften Tötens männlicher Küken in der Legehennen-Zucht zum Jahresende beschlossen. Stattdessen sollen dann Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht schon im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen.

(felt/kna)