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Katholische Kliniken in Köln im Fokus: Kritik an Umgang mit Vergewaltigungsopfer

Katholische Kliniken in Köln im Fokus : Kritik an Umgang mit Vergewaltigungsopfer

Nach der Abweisung einer Frau durch katholische Kliniken in Köln wehren sich Bistümer und andere konfessionelle Häuser gegen einen Generalverdacht. Die Politik fordert Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft wird nicht ermitteln.

Die kritischen Stimmen werden immer lauter und kommen zunehmend auch von anderen katholischen Institutionen: Nach Ansicht von Caritas-Direktor Frank Johannes Hensel haben sich die Ärzte im Fall des Kölner Vergewaltigungsopfers falsch verhalten. Eine Ablehnung der Behandlung gäben die ethischen Richtlinien der beiden Krankenhäuser nicht her. Hensel: "Dort steht schwarz auf weiß, dass außer der ,Pille danach' alle notwendigen Maßnahmen zu leisten sind." Offenbar habe es eine große persönliche Verunsicherung bei den Ärzten gegeben, die mit einem "massiven Kommunikationsdefizit" in den Krankenhäusern einhergegangen sei. Das sieht der Marburger Bund anders: "Wenn das in zwei Krankenhäusern aus der gleichen Gruppe hintereinander passiert, fällt es mir schwer, an Zufall zu glauben", sagt der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke. Der Träger müsse Anlass für das Verhalten der Ärzte gegeben haben.

Eine 25-Jährige war von einer Notärztin in die nahe gelegenen katholischen Kliniken verwiesen worden, um sich dort untersuchen und die Spuren einer möglichen Straftat sichern zu lassen. Bei beiden Häusern wurde sie abgewiesen. Die beiden Chefärzte der Gynäkologie, Wencke Ruhwedel und Hendryk Pilch, hatten sich für den Vorfall entschuldigt und von einem "Missverständnis" gesprochen.

Die Kölner Staatsanwaltschaft wird nicht gegen die beiden katholischen Krankenhäuser in Trägerschaft der Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria ermitteln. Weder liege ein Fall von unterlassener Hilfeleistung vor noch von Strafvereitelung durch Unterlassung. Empört äußerte sich die SPD-Kirchenbeauftragte Kerstin Griese, die den beiden Kliniken unterlassene Hilfeleistung vorwarf. "Das dortige Bistum muss sofort und unmissverständlich sicherstellen, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen kann", forderte Griese. Die Betroffene wurde wohl abgelehnt, weil die Untersuchung immer auch mit einem Beratungsgespräch verbunden ist, in dem auf die "Pille danach" hingewiesen wird. Diese aber ist in den katholischen Häusern untersagt.

"Richtig ist, dass Kontrazeptiva in den Einrichtungen und Ambulanzen weder vorgehalten noch verabreicht werden, sagt Martin Schicht, Sprecher des Verbunds Katholischer Kliniken Düsseldorf (VKKD). Jedoch würden in den Ambulanzen alle eingelieferten Notfälle entsprechend der medizinischen Standards behandelt. "Dazu gehören selbstverständlich auch Opfer sexueller Gewalt", betont Schicht. Auch die gynäkologischen Stationen der St. Augustinus Kliniken in Mönchengladbach-Neuwerk und in Neuss haben schon häufiger Missbrauchs- opfer behandelt. "Wir bieten in diesen Fällen sofort eine Untersuchung und Betreuung an", sagt Sprecherin Corinna Dönges. "Eine Anweisung des Erzbistums Köln, wonach diese Opfer abgewiesen werden sollen, existiert unserer Kenntnis nach nicht", so VKKD-Sprecher Schicht.

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Das Erzbistum Köln bedauerte den Vorfall: "Wir haben das feste Vertrauen, dass der Träger der Krankenhäuser die Situation vollständig aufklären und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen wird, um eine Wiederholung auszuschließen."

In den übrigen Bistümern ist man erschüttert über den Vorfall. "Vergewaltigungsopfer erhalten in den Kliniken des Bistums Aachen die erforderliche medizinische Versorgung und psycho-soziale Begleitung", sagt Sprecher Franz Kretschmann. Dazu zählt auch die medizinische Beweissicherung, ergänzt Jens Albers vom Bistum Essen. Er vermutet, dass es sich in Köln um einen "bedauerlichen Einzelfall" handelt. Karl Hagemann vom Bistum Münster betont: "Bei uns ist sicher, dass niemand, der Hilfe benötigt, an der Krankenhaustür abgewiesen wird."

Lauterbach: Katholische Kirche tut sich keinen Gefallen

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau an zwei katholischen Kliniken in Köln kritisiert. "Die katholische Kirche tut sich mit dieser hartherzigen und erbarmungslosen Reaktion keinen Gefallen", sagte Lauterbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Dass da ein Missverständnis vorgelegen hat, kann ich nicht erkennen."

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte, bislang sei von einem Einzelfall auszugehen. "Wenn sich das wiederholen sollte, müssen wir überlegen, ob die gynäkologische Notfallbetreuung überhaupt noch für katholische Krankenhäuser akzeptabel ist. Es kann nicht sein, dass man sich auf die Ärzte dort nicht verlassen kann", sagte er.

(RP/felt/das)