Archäologie und Hehlerei: Krimi um die Himmelsscheibe von Nebra

Archäologie und Hehlerei: Krimi um die Himmelsscheibe von Nebra

Die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt gelangte vor zehn Jahren nach einer langen Odyssee ins Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Zuvor hatten verschiedene Hehler versucht, Geld aus dem Fund zu schlagen. Auch eine Kaarsterin und ein Jüchener wurden deswegen verurteilt.

Vor genau zehn Jahren wird die Cafeteria des Baseler Hilton zum Schauplatz einer Szene, die man sonst nur aus Fernsehkrimis kennt. Zwei Hehler treffen sich mit einem Archäologen, dem sie für 700 000 Mark einen Kunstschatz angeboten haben. Die Schweizer Polizei stürmt herein, nimmt die beiden fest und stellt einen der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts sicher.

Am Ende des Tages ist die berühmte Himmelsscheibe von Nebra endlich dort, wo sie hingehört: im Museum. Das Relikt aus der Bronzezeit zeigt die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung, die wir kennen. Nur noch die Bruchstellen und Beschädigungen erinnern heute an die Odyssee, die der Kulturschatz hinter sich hat. Der Wert des Fundes ist unschätzbar. 2006 lag sein Versicherungswert bei 100 Millionen Euro.

Grabräuber finden das Artefakt

Am 4. Juli 1999 fanden zwei Raubgräber die Scheibe in einem Wald auf dem Gipfel des 252 Meter hohen Mittelbergs in Sachsen-Anhalt. Ihr Metalldetektor schlug vier Kilometer westlich der Stadt Nebra an. Es wird vermutet, dass sie um 1600 v. Chr. dort vergraben wurde. Einen Tag später erstand sie ein Händler aus Köln für 31.000 Mark. Er bot das Stück verschiedenen Museen an, die jedoch alle dankend ablehnten, da sie bereits Hehlerei vermuteten.

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Der Fund verschwand, bis sich der Archäologe Harald Meller, Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle, ein Herz nahm. Er wollte das prähistorische "Stück Kulturgut endlich wieder ins Land bringen" und traf sich am 23. Februar 2002 als vermeintlicher Kaufinteressent mit dem Jüchener Reinhold Stieber und der Kaarsterin Hildegard Burri-Bayer, die später wegen Hehlerei verurteilt wurden. Die Himmelsscheibe, die die beiden zum Verkauf anboten, diente in der Bronzezeit laut Meller als astronomisches Memogramm für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte.

Nach einer anderen Interpretation könnte die Bronzeplatte das Wissen über den Unterschied zwischen Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage) festgehalten haben. Ob die Scheibe bereits als Instrument zur Bestimmung der Sonnenwenden genutzt wurde, oder ob sie lediglich das Wissen darüber darstellt, ist ungewiss. Auf jeden Fall zeigt sie, dass den Astronomen der Bronzezeit bereits die wichtigsten Teile der Himmelsmechanik bekannt waren — und gibt somit einen Einblick in das Wissen unserer Vorfahren über den Weltenlauf vor rund 3600 Jahren.

Die Ergänzung um die Sonnenbarke hatte vermutlich keine kalendarische Funktion, sondern könnte die nächtliche Überfahrt der Sonne von West nach Ost darstellen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Ausstellung zur Himmelsscheibe von Nebra

(RP/felt/csr/rm)
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