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Kreis Ahrweiler: Cornelia Weigand ist neue Landrätin - Landratswahl 2022

Absolute Mehrheit im ersten Wahlgang : Cornelia Weigand ist neue Landrätin im Kreis Ahrweiler

Bei der Landratswahl im Kreis Ahrweiler hat die Altenahrer Bürgermeisterin Cornelia Weigand überraschend die absolute Mehrheit von 50,2 Prozent geholt. Der Kreis war bei der Flut-Katastrophe im Sommer schwer getroffen worden.

Um 20.25 Uhr war die Sensation am Sonntagabend perfekt: Cornelia Weigand (parteilos) ist zur neuen Landrätin des Kreises Ahrweiler gewählt worden. Im ersten Wahlgang schaffte die 50-jährige Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr mit 50,2 Prozent der Stimmen den Einzug in das Ahrweiler Kreishaus. „Ich bin so ein bisschen sprachlos, sagte Weigand. Mit dem Ergebnis habe sie in „der Deutlichkeit“ nicht gerechnet, sei wie alle anderen von einer Stichwahl ausgegangen.  Weigand dankte ihren Mitbewerbern Horst Gies (CDU), Christoph Schmitt (Einzelbewerber, allerdings auch für die SPD aktiv) und Axel Ritter (parteilos) für den fairen Wahlkampf. „Ich habe großen Respekt, vor dem was kommt, vor der großen Aufgabe, die da heißt Aufbau und führen des Kreises in die Zukunft“, sagte die Wahlsiegerin. Sie freue sich sehr darauf, habe aber auch großen Respekt vor „dieser großen Verwaltung“.

Früh zeichnete sich ein deutlicher Stimmenvorsprung für Weigand ab. Bereits nach der Vorlage der ersten Ergebnisse verzeichnete die Verbandsbürgermeisterin aus Altenahr teilweise nahezu doppelt so viele Wählerstimmen für sich wie ihr Kontrahent Gies. Nach der Auszählung aller Wahlbezirke lag Weigand bei 50,2 Prozent, Gies bei 28,2 Prozent, Schmitt bei 19,3 Prozent und Mitbewerber Ritter bei 2,3 Prozent. Über weite Strecken lag Weigand bei knapp unter 50 Prozent, so dass mit einer Stichwahl zu rechnen war. Kurz vor 20 Uhr schlug das Pendel jedoch weiter zu Gunsten der Altenahrerin aus, die über die 50-Prozent-Marke kletterte.

Gerade in den Städten Remagen, Sinzig und Bad Neuenahr-Ahrweiler konnte Cornelia Weigand besonders punkten. Dort lagen ihre Ergebnisse stets in einem über 50 Prozent liegenden Bereich. Die CDU verlor mit ihrem Kandidaten Horst Gies sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum erhebliche Stimmenanteile. Die einstige Hochburg, die Gies bei vergangenen Landtagswahlen stets souverän verteidigen konnte, bröckelt. Dieses Signal ist seit den Bürgermeisterwahlen in Remagen, Sinzig oder Altenahr nun im gesamten Ahrkreis spürbar: Das Personal der etablierten Parteien ist in einer schwierigen Situation, unabhängigen Bewerbern kommt bei Wahlen fast schon automatisch die Favoritenrolle zu.

„Ich bin sehr entspannt“, meinte Horst Gies, der um 17.55 Uhr den Sitzungssaal des Kreishauses noch voller Optimismus betrat. Einen „geselligen Nachmittag“ habe er im Kreis seiner Familie verbracht, so der Kandidat, der am Wahltag seinen 62. Geburtstag feierte. Als das Ergebnis feststand, kommentierte er es wie folgt: „Ich kann Frau Weigand nur gratulieren. Das ist der Wählerwillen. Das weiß man als Politiker, der oberste Souverän sind die Wähler, die entscheiden.“ Die Wähler wollten offenbar, dass er den Kreis weiter als Landtagsabgeordneter in Mainz vertritt. Er werde alles dafür tun, um am Aufbau des Ahrtals und der Weiterentwicklung des Kreises mitzuarbeiten.

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Auch Kandidat Christoph Schmitt aus Niederzissen war ins Kreishaus gekommen, um die nach und nach eintreffenden Ergebnisse zu verfolgen. Mit betretener Miene nahm er zur Kenntnis, dass er weitaus schlechter abschnitt als beispielsweise noch bei der Bundestagswahl, für die er im vergangenen Spätsommer ebenfalls kandidiert und sich achtbar geschlagen hatte. Lediglich im Brohltal konnte Schmitt über 30 Prozent kommen. „Ich hätte mir natürlich ein besseres Ergebnis gewünscht. Der Wählerwille war eindeutig“, sagte er. Die absolute Mehrheit für Weigand sei „so nicht zu erwarten“ gewesen. Offensichtlich habe der überregionale Bekanntheitsgrad von Weigand mit Auftritten in großen Medien Wirkung gezeigt.  Es gehe nun darum, dass man konstruktiv zusammenarbeite und die Herausforderungen gemeinsam angehe, so Schmitt, der zwar als Einzelbewerber antrat, aber Chef der SPD-Fraktion im Kreistag ist.

Keine Rolle spielte indes der aus Bad Neuenahr stammende Bewerber Axel Ritter, der auf 2,3 Prozent der Stimmen kam. Er kam am Sonntagabend auch nicht ins Kreishaus.

„Sie sind jetzt gewählte Chefin dieses Hauses“, sagte Wahlleiter Friedhelm Münch nach der Stimmauszählung im Sitzungssaal der Kreisverwaltung. Er betonte, ebenfalls mit einer Stichwahl gerechnet zu haben.

Höflichen Applaus gab es von den versammelten Fraktions- und Parteivorsitzenden. Weder CDU, SPD, FDP oder FWG hatten Weigand mitgetragen, dafür allerdings die Grünen. Nun wird die neue Landrätin im Kreistag mit allen kommunalpolitischen Kräften konstruktiv zusammenarbeiten müssen. „Sie hat nun den Ball“, so FDP-Chef Uli van Bebber. Weigand habe hohe Erwartungen geweckt, an denen sie jetzt auch gemessen werde. Der Kreis stehe vor einer Herkulesaufgabe.

Dieser Artikel ist zuvor beim Bonner „General-Anzeiger“ erschienen.