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Kommentar zum Erzbistum Köln

Kommentar : Von Gemeinschaft keine Spur

Man muss bei all dem Unmut im Kölner Erzbistum über die Kirchenleitung und die so oft ins Leere laufenden Diskussionen über Reformen die etwas pathetische Frage stellen: Wo ist noch Kirchengemeinschaft spürbar, also jene Communio, die im Abendmahl tiefsten Ausdruck findet?

Keine Spur davon. Die Kernbotschaft ist mittlerweile viel zu weit in den Hintergrund getreten und kaum noch erkennbar. Insofern hätte Rainer Maria Kardinal Woelki – Erzbischof zu Köln – durchaus recht, wenn er Reformen vor allem als geistlichen Prozess und als eine Neuevangelisierung der Kirche verstanden wissen möchte. Aber die Kirche als Institution ist kein Monolith. Sie ist etwas von Menschen Geschaffenes und Gewandeltes. Kirche muss ein Kind ihrer Zeit sein, nicht ihres Zeitgeistes. Sie muss nicht kopieren, aber ein Ausdruck der Gegenwart sein. Menschen müssen sich und ihren Glauben darin wiederfinden. Dass sich unser Geschlechterbild gottlob gewandelt hat, ist eine Errungenschaft. Sie zu ignorieren, indem unter anderem das Weiheamt für Frauen am besten nicht einmal diskutiert wird, ist Ausdruck von Erstarrung. All diese Debatten sind im Erzbistum besonders präsent, da mit Kardinal Woelki ein Bischof ohne Reformambitionen an seiner Spitze steht. Dass manche Proteste – wie die jüngste Online-Petition – kaum mehr als schnelle Reflexe sind, ist ein Zeichen von Ohnmacht.

Dem blockierten Riesen Kirche laufen die Menschen scharenweise davon. Eine Entwicklung, die auch mit mutigen Reformen kaum zu stoppen sein dürfte. Es bestünde aber die Hoffnung, die Kirche mit einer Öffnung wenigstens zukunftsfähig zu machen. Wer den rapiden Bedeutungsverlust mit Häme oder Genugtuung quittiert, ahnt vielleicht nicht einmal, wie wertvoll und nötig die frohe, christliche Botschaft für uns und unsere Zeit ist.