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Umstrittene Ausstellung in Heidelberg: "Körperwelten" ist zurück in Deutschland

Umstrittene Ausstellung in Heidelberg : "Körperwelten" ist zurück in Deutschland

Heidelberg (RPO). Nach fünf Jahren ist "Körperwelten" wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Bis zum 26. April zeigt Plastinator Gunther von Hagens in Heidelberg seine umstrittene Ausstellung mit menschlichen Körpern, die über Gartenzäune springen oder Saxophon spielen. Vor allem bei der Kirche stößt "Körperwelten" auf Kritik.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Sonderschau "Der Zyklus des Lebens", wie die Kuratorin der Ausstellung, Angelina Whalley, sagte. In der "Halle 02" am ehemaligen Güterbahnhof sind diesmal mehr als 200 echte menschliche Präparate in konservierter Form ausgestellt. Außerhalb einer Schauwerkstatt im brandenburgischen Guben sind solche Plastinate damit erstmals seit fünf Jahren wieder in Deutschland zu sehen.

"Wir wollen den Besuchern den Kreislauf vom Entstehen und Vergehen des Körpers zeigen - von der Zeugung bis ins hohe Alter", sagte die Kuratorin, die mit Gunther von Hagens verheiratet ist. Die verschiedenen "Körperwelten"-Ausstellungen davor haben ihren Angaben zufolge weltweit mittlerweile 26 Millionen Menschen gesehen.

Anders als bei "Körperwelten"-Ausstellungen in Nordamerika habe man in Heidelberg darauf verzichtet, die Ausstellung von einer örtlichen Ethikkommission bewerten zu lassen, sagte Whalley weiter.

Der Ethiker Franz-Josef Wetz von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd sagte allerdings in Heidelberg, er sehe sittliche Grenzen erst dann verletzt, wenn Menschen in der Ausstellung nicht mehr als Menschen dargestellt würden, sondern als Gegenstände. Dies sei bei "Körperwelten" nicht der Fall.

Ort religiöser Besinnung

"Ich käme nie auf die Idee, ein Bein etwa als Golfschläger darzustellen", sagte dazu von Hagens. Er sehe die Ausstellung auch als Ort religiöser oder philosophischer Besinnung, sagte der Anatom weiter. Aufgrund der Plastinate habe er selbst weniger Angst vor dem Tod.

Bei der Plastination werden dem Körper Fette und Flüssigkeiten entzogen und durch einen Kunststoff ersetzt. In der jüngsten Ausstellung wird etwa ein menschlicher Körper gezeigt, der über einen Gartenzaun zu springen scheint. Auch eine Frau ist zu sehen, die dem Eindruck nach gerade ihre Haut und die Haare abgestreift hat.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Körperwelten": Leichen spielen Saxophon

(DDP)