Knochen von Primat "Udo" in Bayern: Aufrechter Gang entstand in Europa

Knochen-Fund im Allgäu : Erster aufrecht gehender Menschenaffe lebte wohl in Bayern - und nicht in Afrika

Forscher haben Knochen eines Primaten gefunden, der bisherige Erkenntnisse über die Evolution der Menschenaffen in Frage stellt. Die ersten aufrechten Schritt haben unsere Vorfahren demnach vor zwölf Millionen Jahren in Bayern gemacht.

Knochen einer in Bayern neu entdeckten Primatenart legen nach Überzeugung der Fossilienforscherin Madelaine Böhme nahe, dass der aufrechte Gang des Menschen in Europa entstanden ist. Die in Pforzen im Ostallgäu-Kreis ausgegrabenen Überreste des „Danuvius guggenmosi“ seien fast zwölf Millionen Jahre alt und damit sechs Millionen Jahre älter als bisherige afrikanische Funde von aufrechtgehenden Wesen, erklärte Böhme am Mittwoch in Tübingen. Damit werde die bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend infragegestellt, betonte die Tübinger Wissenschaftlerin.

Der mit dem Namen „Udo“ versehene Primat gilt demzufolge als fehlendes Bindeglied in der Reihe gemeinsamer Vorläufer von Mensch und Menschenaffe. Böhme konnte nach eigenen Angaben aufgrund von Wirbel-, Knie- und Fußgelenkknochen zeigen, dass „Udo“ überwiegend aufrecht gegangen sein müsse, auch wenn er gleichzeitig wie Menschenaffen ein Baumkletterer gewesen sei. Der Fossilienfund lasse es auch möglich erscheinen, dass schon gemeinsame Vorgänger von Menschenaffe und Mensch generell auf zwei Beinen gehen konnten und sich die Unterteilung in Vierfüßler (Affe) und Zweifüßler (Mensch) erst später entwickelt habe. Die Forschungsergebnisse wurden im Wissenschaftsmagazin „Nature“ publiziert.

(atrie/epd)
Mehr von RP ONLINE