Knapp jeder Zehnte in Deutschland ist einsam

Studie zeigt leichte Besserung : Knapp jeder Zehnte ist einsam

44 Prozent der Befragten fühlen sich allerdings weder schlechter noch besser. Am einsamsten sind Menschen im Saarland. 20 bis 29-Jährige sind besonders von diesem Gefühl betroffen. Der Grund: In diesem Alter ereignen sich große Lebensveränderungen.

Knapp jeder zehnte Bundesbürger fühlt sich einsam. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt.

Danach ist der Anteil derjenigen, die sich sehr oft oder oft einsam fühlen, zwischen 2013 und 2017 kleiner geworden. 2013 gaben 10,5 Prozent an, einsam zu sein, vier Jahre später sind es 9,5 Prozent.

Ausgewertet wurden Daten des Sozio-ökonomischen Panels, einer fortlaufenden Repräsentativbefragung von 30.000 Menschen in rund 15.000 Haushalten in Deutschland.

60 Prozent derer, die sich einsam fühlten, waren 2017 Frauen. Zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es kaum Unterschiede.

Allerdings gibt es unterschiedliche Werte in den Bundesländern: Der Anteil von einsamen Personen ist mit 13,4 Prozent im Saarland am höchsten. Danach folgt Brandenburg mit 12,9 Prozent und Thüringen mit 12,1 Prozent. Am geringsten sind die Anteile der Einsamen in Hamburg mit 5,5 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 8,2 Prozent.

Die Daten lassen auch auf Entwicklungen schließen: Ein Viertel gab 2017 einen schlechteren Wert an als 2013, fast ein Drittel fühlt sich besser und etwa 44 Prozent zeigen keine Veränderung, so die IW-Forscherinnen Anja Katrin Orth und Theresa Eyerund. Von einer massenhaften Zunahme könne also keine Rede sein.

Der Anteil der „einsamer Gewordenen“ ist laut Studie in der Gruppe derer, die zwischen 20 und 29 Jahre alt waren, am höchsten: Hier geben 29 Prozent einen schlechteren Wert an als 2013. „Damit ist die Entwicklung hier stärker als bei den über 60-Jährigen, bei denen 26 Prozent eine Verschlechterung angeben.“

Für die Zunahme der gefühlten Einsamkeit bei den Jüngeren gibt es zahlreiche mögliche Erklärungen: So fänden in diesem Alter einschneidende Veränderungen wie der Auszug aus dem Elternhaus, ein Umzug, die Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums statt.

Als mögliche Einflussfaktoren für Einsamkeit nennt die Studie Familienstand, Erwerbsstatus und Migrationshintergrund. Der Anteil der Einsamen war 2017 bei Menschen, die in einer Ehe oder festen Partnerschaft lebten, mit acht Prozent am geringsten. Bei den Singles waren es elf Prozent, bei Verwitweten 17 Prozent.

Die These, die Zunahme von Single-Haushalten sei ein Grund für Einsamkeit, bestätigt sich nicht, hieß es. Die Anzahl der Haushaltsmitglieder habe wenig Auswirkungen auf Einsamkeit.

Anders sieht es beim Erwerbsstatus aus: Bei Nicht-Erwerbstätigen liegt der Anteil der Einsamen mit 13,1 Prozent deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Bei Auszubildenden betrug der Anteil 9,4 Prozent, bei Vollzeitbeschäftigten 6,7 Prozent.

Bei Einwanderern ist der Anteil Einsamer mit 15 Prozent überproportional hoch. Bei Menschen ohne Migrationshintergrund sind es 8,2 Prozent.

(jms/kna)
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