Missbrauchsskandale: Kloster und Chor im Zwielicht

Missbrauchsskandale: Kloster und Chor im Zwielicht

Ettal/Regensburg (RP). Aus Ettal und von den Regensburger Domspatzen dringen neue Nachrichten über Gewalt und sexuelle Übergriffe gegen Schüler und einen früheren Ordensmann an die Öffentlichkeit. Ein Benediktinermönch soll sogar Bilder halbnackter Schüler ins Internet gestellt haben.

Zwei berühmte Institutionen in Bayern, das Benediktiner-Kloster Ettal und die Regensburger Domspatzen, der Knabenchor mit tausendjähriger Tradition, geraten zunehmend in die Untiefen des Missbrauchs-Skandals, der die katholische Kirche und die Öffentlichkeit erschüttert.

Aus Ettal werden immer neue Vorwürfe und größere Zahlen von Opfern bekannt. Der externe Ermittler Thomas Pfister sagte gestern, ihm lägen Hinweise auf rund 100 Betroffene vor. Ein Klostermitglied habe sogar gestanden, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen und früher Fotos halbnackter Schüler ins Internet gestellt zu haben.

Staatsanwaltliche Ermittlungen

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind in drei Fällen im Gange. Da die allermeisten Fälle lange zurückliegen, ist vieles verjährt. Bei einem Vorgang aus dem Jahr 2005 ist es laut Pfister noch unklar, ob sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs erhärtet. Daneben nannte Pfister die Kinderporno-Verbreitung und einen Fall von Körperverletzung im vergangenen Jahr. Ein Ettaler Lehrer soll zwei jungen Schülern sogenannte Kopfnüsse gegeben und einem Kind auf den Zeh getreten haben. Der kommissarische Schulleiter meinte, die "Kopfnüsse" seien nur leicht und mehr zum Spaß gewesen. Pfister entgegnete, er habe selbst mit den Kindern gesprochen; sie hätten ihm gesagt, dass die Züchtigungen sehr wehgetan hätten.

Der Großteil der Vorwürfe bezieht sich nach den Worten des externen Ermittlers auf Schläge und andere Bestrafungen im Klosterinternat. Es habe in früheren Zeiten weit mehr als zehn Ordensbrüder gegeben, die ihre Schüler systematisch geprügelt hätten. Die Mehrzahl der Patres habe nicht selbst geschlagen, durch ihr Schweigen den gewalttätigen Mitbrüdern aber erst einen rechtsfreien Raum für ihre Züchtigungspraxis geschaffen.

Opfer berichteten laut Ermittler von schweren Schlägen und Massenbestrafungen auch für Nichtigkeiten. Ein Schüler sei nach eigenen Angaben mit einem Bambusstock geschlagen worden, bis dieser brach. Der Junge sei danach auf die Krankenstation in Ettal gekommen. Ein anderer ehemaliger Klosterschüler sagte, er habe manche Patres als regelrechte Sadisten in Erinnerung.

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Den Berichten zufolge befand sich auch ein ehemaliger amerikanischer Soldat unter den Patres. Dieser sei im Koreakrieg gewesen und dort traumatisiert worden. Ein Schüler bezeichnete ihn als den Schlimmsten von allen. Auf die Frage, wie glaubwürdig die Anschuldigungen seien, antwortete Pfister, er werde Tag und Nacht von Nachrichten überhäuft. Bisher habe er noch keine einzige Nachricht als offensichtlichen Unsinn bewerten können.

Verwaltungsleiter bittet um Vergebung

Der Ettaler Verwaltungsleiter, Pater Johannes Bauer, räumte ein, selbst in den 1980er Jahren Kinder mit der Hand, aber auch mit einem Gegenstand geschlagen zu haben. Bauer bat um Vergebung, einen Rücktritt lehnte er aber ab. Auch ein ehemaliges Klostermitglied soll den Vorwurf erhoben haben, als Mönch in Ettal von Mitbrüdern missbraucht worden zu sein. Insgesamt betonte Pfister allerdings, dass alle Vorwürfe aufgeklärt werden und nichts vertuscht werde.

In den Missbrauchs-Skandal bei den Regensburger Domspatzen sind zwei ehemalige Geistliche verwickelt, die seit 26 Jahren tot sind. Die Fälle sollen sich zwischen 1958 und 1973 zugetragen haben. Einer der verurteilten Geistlichen war Religionslehrer und Präfekt am Musikgymnasium Regensburg. Er soll bei sexuellen Handlungen mit zwei Schülern ertappt worden sein. Er wurde aus dem Gymnasium entfernt und zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Der zweite Geistliche war in den 60-er Jahren Diözesan-Musikdirektor. Gegen ihn wurde wegen eines Missbrauchs-Falles ermittelt. Anschließend kam es zur Anklage und zu einer Verurteilung zu elf Monaten Freiheitsentzug. Birgit Böhm, Bistums-Beauftragte für Missbrauchs-Fälle, betonte, es gebe bei den Domspatzen aktuell keine Missbrauchsvorwürfe.

(RP)