Kirchen warnen vor Spaltung der Gesellschaft

Weihnachten : Kirchen warnen vor Spaltung der Gesellschaft

Vertreter der beiden großen Kirchen haben zu Weihnachten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen. Terror und Rechtspopulismus dürften nicht dazu führen, dass sich die Gesellschaft spalte. Viele Bischöfe verurteilten Gewalt im Namen von Religion.

Die Polizeipräsenz vor Kirchen wurde vielerorts erhöht. Vor dem Kölner Dom zum Beispiel kontrollierten am Sonntagmorgen Polizisten die Taschen der Gottesdienstbesucher.

Zuversicht statt Angst

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht das Weihnachtsfest als "Mutmacher zum Leben". Angst und Hass dürften die Gesellschaft nicht vergiften, sagte er laut vorab veröffentlichtem Predigttext am Samstagabend im Münchner Liebfrauendom. Die Realitäten der Welt seien nicht unveränderlich, fügte der Kardinal hinzu. "Wir können etwas tun durch unser Reden und Handeln." Es sei dabei von großer Bedeutung, ob die Grundstimmung von Zuversicht und Hoffnung geprägt sei oder von Angst und Ressentiment.

Gottesdienst-Besucher mussten an Heiligabend vor dem Kölner Dom ihre Taschen durchsuchen lassen. Foto: dpa, obe

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte in seiner Weihnachtsbotschaft, Weihnachten sei nicht fern von Leid: Der in einer ärmlichen Futterkrippe geborene Jesus werde als Erwachsener gefoltert und am Kreuz hingerichtet. "Wir sind aber davon überzeugt, dass das Leid nicht das letzte Wort hat", so der bayerische Landesbischof. Er zeigte sich beeindruckt von den Reaktionen vieler Menschen auf den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Montagabend. "Ich finde, die Menschen gehen sehr reif damit um."

Warnung vor negativer Stimmungsmache

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erklärte, die Menschen sollten nicht zuerst den Gegensatz oder die Angst wahrnehmen. Es komme vielmehr darauf an, im anderen "einen Mensch wie mich selbst" zu sehen: bedürftig und voller Hoffnung auf ein gutes oder besseres Leben.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße warnte vor negativer Stimmungsmache, die auf Lüge, Verwässerung und Beschönigung aufbaut. Zwar seien persönliche Gefühle und Emotionen gut und wichtig, sagte er in seiner Weihnachtspredigt. "Nur dürfen wir uns von ihnen allein nicht bestimmen lassen." Das Christentum setze auf Fakten und Wahrheiten. "Jesus Christus ist keine Legende oder abstrakte Idee, sondern eine konkrete Person, ein Mensch."

Auch Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mahnte eine auf Fakten basierende und an der Wahrheit orientierte Kommunikation an. "Wir leben in schwierigen Zeiten", sagte er im Essener Dom und verwies dabei besonders auf Menschen, die das Wort "Lügenpresse" oft in gefährlicher Weise nutzten. Gute Kommunikation brauche "Echoräume von Vertrauen und positiver Kritik".

(csi/KNA)
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