"Gefahr eines Dammbruchs": Kirchen predigen gegen Einführung der PID

"Gefahr eines Dammbruchs" : Kirchen predigen gegen Einführung der PID

Berlin (RPO). In der Diskussion um eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) haben Vertreter der katholischen Kirche ihre Weihnachtspredigten dazu genutzt, um ihre ablehnende Haltung erneut deutlich zu machen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, warnte vor der "Gefahr eines Dammbruchs". Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck fordert ein gesetzliches Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Auch aus der evangelischen Kirche kamen skeptische Stimmen zur PID.

Mit der PID können Gendefekte und andere schwere Schädigungen eines im Reagenzglas gezeugten Embryos festgestellt werden, ehe dieser in die Gebärmutter eingesetzt wird.

In Deutschland ist die künstliche Befruchtung im Embryonenschutzgesetz geregelt, umfassende Regeln für die PID gibt es aber nicht. Voraussichtlich im kommenden Jahr wird der Bundestag ohne Fraktionszwang darüber entscheiden, ob PID in bestimmten Ausnahmen zugelassen oder komplett verboten wird. Es gibt bei allen Parteien Gegner und Befürworter der Methode.

"Nicht glücklicher, aber weniger menschlich"

Zollitsch erinnerte in seiner Weihnachtspredigt im Freiburger Münster daran, dass das Leben ein Geschenk Gottes sei. "Wir sind nicht Herren über Leben und Tod, auch nicht darüber, wer geboren werden darf und wer nicht", betonte er. Zwar betreffe die Präimplantationsdiagnostik zunächst vielleicht nur wenige Paare.

Gleichwohl bestehe die "Gefahr eines Dammbruchs", wenn sie erst erlaubt sei. Wenn man durch die PID die Möglichkeiten dazu schaffe, Embryonen mit möglichen Behinderungen oder Anlagen zu möglichen Krankheiten "durch Selektion auszuscheiden und zu töten, dann wird dies auch geschehen".

Zollitsch warnte zudem vor einem vielleicht auch nur unterschwelligen Druck, Menschen mit Behinderungen oder Eigenheiten nicht mehr zu akzeptieren. "Unsere Gesellschaft würde dadurch nicht glücklicher, aber weniger menschlich", sagte Zollitsch.

Overbeck hob in seiner Predigt hervor, bei der PID übernehme niemand die notwendige Schutzfunktion für das werdende Leben. "Über das Leben darf und kann niemand entscheiden. Das Leben ist Geschenk, es kommt von Gott; wir Menschen werden damit beschenkt", sagte Overbeck.

"Nachhaltige menschliche Kultur"

Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, regte eine Debatte über eine "neue Fortschrittsidee" für eine "nachhaltige menschliche Kultur" an. Er forderte die Gläubigen in seiner Predigt am Heiligabend im Münchner Liebfrauendom dazu auf, sich "mit dem gleichen Engagement gegen Krieg und Zerstörung der Schöpfung einzusetzen wie gegen die Einteilung wertes und unwertes Leben".

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml forderte, die Würde des Menschen in den Blick zu nehmen. Schraml sagte in seiner Predigt am ersten Feiertag, Gott komme auch dorthin, "wo Kinder heute im Reagenzglas gezeugt und bei diagnostizierten Erbschäden getötet werden".

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sprach sich zudem erneut gegen embryonale Stammzellforschung aus. Sie sei genauso "moralisch verwerflich" wie die Präimplantationsdiagnostik, sagte Algermissen in seiner Weihnachtspredigt im Fuldaer Dom und ergänzte: "Wenn das Gebot, Kranke zu heilen, mit dem Gebot, Unschuldige zu töten, kollidiert, hat immer das Tötungsverbot Vorrang." Keine noch so "fantastische Therapie" rechtfertige, einen Menschen im vorgeburtlichen Zustand zu töten.

Der evangelische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, sagte, die PID-Zulassung sei "für Christen nicht zu akzeptieren". Mit der PID würde von Rechts wegen ein Instrument geschaffen, "das erklärtermaßen das Ziel der Selektion" verfolge. Er sei der "tiefen Überzeugung", dass die PID die Grenze des ethisch Verantwortbaren überschreite, auch wenn er die Sorgen und Ängste von Eltern verstehe, die fürchten, ein krankes oder behindertes Kind zu bekommen.

(apd/csr)