1. Panorama
  2. Deutschland

Greenpeace-Test: Kinderkleidung von Discountern enthält gefährliche Chemikalien

Greenpeace-Test : Kinderkleidung von Discountern enthält gefährliche Chemikalien

Discounter-Supermärkte bieten längst wesentlich mehr Produkte als Lebensmittel an. Ein Verkaufsschlager, gerade zum Herbstanfang, sind Gummistiefel. Wie eine neue Untersuchung der Umwelt-Organisation Greenpeace zeigt, enthalten die jedoch oftmals sogar mehrere giftige Chemikalien.

Gerade zur anbrechenden Herbst- und Winterzeit steht für viele Eltern der Gang in den Supermarkt an. Auf dem Einkaufszettel stehen regen- und matschfeste Kleidung und natürlich Schuhe und Gummistiefel. Dass sie dabei in vielen Fällen schädliche Chemie einkaufen, ahnen wohl die wenigsten.

Wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace bei einer aktuellen Laboruntersuchung von 26 Produkten herausfand, sind in mehr als der Hälfte der Proben gefährliche Stoffe "oberhalb der Vergleichs- und Vorsorgewerte" gefunden worden, teilte Greenpeace mit. Einige dieser Stoffe gelten demnach als krebserregend. Die Kleider und Schuhe stammten aus Filialen der Händler Aldi, Lidl, Tchibo, Penny sowie aus österreichischen und Schweizer Supermärkten.

Insgesamt wurden sieben verschiedene Schadstoffe untersucht. Die Studie ist zwar nicht representativ, dürfte aber doch den ein oder anderen Verbraucher nachdenklich stimmen. Wie sich zeigte, waren vor allem viele der Kinderschuhe so stark mit Chemikalien belastet, das sie sogar die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Ökosiegels Blauer Engel ebenso überschritten werden wie branchenübliche Industriestandards. Zudem wurden schädliche Stoffe nachgewiesen, für die es bislang gar keine Standards gibt.

Schuhe mit stechendem Geruch

Die meisten Schuhe wiesen einen "stechenden Geruch" auf. Dies deute häufig auf 2-Phenyl-2-propanol (2PP) oder Acetophenon hin, erklärte Greenpeace. Diese Substanzen können den Angaben zufolge Allergien und Hautreizungen auslösen. In sieben von 14 getesteten Kinderschuhen sei 2PP oberhalb des Vergleichswerts von zehn Milligramm pro Kilogramm gefunden worden. Alle drei getesteten Kinderschuhe des Discounters Lidl überschritten demnach diesen Wert.

Kinderschuhe von Aldi enthielten mehr als 190 Milligramm Dimethylformamid (DMF) pro Kilogramm, wie die Umweltschutzorganisation mitteilte. DMF gelte als "fortpflanzungsgefährdend, akut toxisch und gesundheitsschädlich bei Hautkontakt". Das Umweltbundesamt (UBA) empfehle Höchstwerte von zehn Milligramm pro Kilo, da sich die Substanz aus dem Material lösen könne.

Kinder-Gummistiefel von Tchibo sind am stärksten belastet

Die Kinder-Gummistiefel von Tchibo sind laut dem Test am stärksten mit dem potentiell krebserregenden Naphthalin aus der Gruppe der Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) belastet gewesen. In ihnen sei der Stoff in einer Konzentration von 2,2 Milligramm pro Kilo festgestellt worden.

Zwar wird vor allem vor den PAK immer wieder gewarnt, aber einen Richtwert für Schadstoffe in Gummibekleidung, gibt es aktuelle nicht. Erst Ende 2015 gilt in der EU für Kinderprodukte mit Hautkontakt ein Grenzwert von 0,5 Milligramm pro Kilo für krebserregende PAK-Stoffe.

(AFP)