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Entführungsfall Maria Bögerl: Kinder prangern Ermittlungspannen an

Entführungsfall Maria Bögerl : Kinder prangern Ermittlungspannen an

Der Entführungsfall Maria Bögerl hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nun werfen die Kinder Bögerls der Polizei Versagen vor. Carina und Christoph Bögerl fordern, dass sich ein Untersuchungsausschuss mit den Ermittlungen befasst.

Mit der Entführung und Ermordung von Maria Bögerl verloren ihre Kinder Christoph und Carina nicht nur ihre Mutter; Vater Thomas, der in das Visier der Ermittler geriet, zerbrach unter dem Druck und nahm sich im vergangenen Jahr das Leben. In einem Interview mit dem Magazin "Stern" meldeten sich die Kinder nun erstmals zu Wort, und erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

"Das Ausmaß an Pannen hat unser Vertrauen zerstört. Die Instanz, die dazu da ist, dir zu helfen, macht tausend Fehler und versinkt in planlosem Aktionismus," sagte Carina Bögerl in dem Interview. Unter anderem kritisieren die Kinder, man habe ihrem Vater allein die Beschaffung des Lösegelds überlassen. "Wir haben den Soko-Chef in einem späteren Gespräch so verstanden: Wenn ein Bankdirektor das nicht könne, wer dann?", prangert Carina Bögerl an. Thomas Bögerl notierte die Abläufe der Geldbeschaffung später in einem Gedächtnisprotokoll. Darin schreibt er: "Die Polizei ergriff keinerlei Maßnahmen zur Lösegeldbeschaffung."

Auch Christoph Bögerl sowie der Lebensgefährte von Tochter Carina gerieten während der Ermittlungen zu Unrecht unter Tatverdacht. Die Polizisten verdächtigten sie, mit dem Entführer telefoniert zu haben. Der sollte sich im Haus des Ehepaars Bögerl, das zu diesem Zeitpunkt nicht daheim war, aufgehalten und die Tat vorbereitet haben. Wie sich herausstellte, basierte dieser Verdacht jedoch auf falsch gespeicherten Uhrzeiten in der Telefonanlage.

Im Zuge der Ermittlungen wurde die Familie über Monate von der Polizei überwacht und abgehört. So wurden Gespräche mit Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden, aber auch mit einem Pfarrer und einem Anwalt, aufgezeichnet. Insgesamt mit rund 150 Personen. "Bei diesem Ausmaß an Willkür zerbricht der Glaube an den Rechtsstaat", sagte Christoph Bögerl.

Zudem sollen die Ermittler bei der Spurensicherung geschlampt haben. Hinweise der Familie auf mögliche Fingerabrücke seien schlichtweg ignoriert worden. Tochter Carina verlangte in dem "Stern"-Interview, dass sich ein Untersuchungsausschuss mit der Arbeit der Polizei befassen solle.

  • Fotos : Maria Bögerl ist tot
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Maria Bögerl war am 12. Mai 2010 aus ihrem Haus im baden-württembergischen Heidenheim entführt worden. Das Lösegeld, 300.000 Euro, war zu spät am Übergabeort abgelegt worden. Drei Wochen später wurde die Leiche der 54-jährigen Frau gefunden. Ihr Mann, der Heidenheimer Sparkassendirektor Thomas Bögerl, nahm sich im Juli 2011 das Leben. Bis heute gibt es keinen Hinweis auf den Täter.

(ots)