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Viele fühlen sich benachteiligt: Kinder klagen über Ungerechtigkeit in Deutschland

Viele fühlen sich benachteiligt : Kinder klagen über Ungerechtigkeit in Deutschland

Jedes fünfte Kind in Deutschland fühlt sich einer Studie zufolge ausgegrenzt oder in der Schule nicht hinreichend ernst genommen. Zugleich beklagte über die Hälfte gesellschaftliche Ungerechtigkeiten vor allem im Umgang mit Armen.

Das geht aus einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie von TNS-Infratest hervor. Das Institut befragte im Auftrag der Kinderhilfsorganisation "World Vision" 2.500 Kinder von sechs bis elf Jahren über ihre Lebenssituation und ihr Wohlbefinden.

Die Wissenschaftler attestierten den Kindern in der Erhebung ein hohes Gerechtigkeitsempfinden. Zugleich zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Armutserfahrung und Unzufriedenheit. Vielen Kindern fehlten auch Beteiligungsmöglichkeiten. Zudem prägte die soziale Herkunft die Entscheidung für Bildungsabschlüsse.
World-Vision-Vorstand Christoph Hilligen, forderte von der künftigen Bundesregierung den "Abbau von finanziellen, sozialen und kulturellen Ungleichheiten".

Ein Drittel der Kinder fühlt sich benachteiligt

Ingesamt 23 Prozent der Kinder beklagten, dass der Umgang mit ihnen in Deutschland "eher" oder "sehr" ungerecht sei. 57 Prozent der Kinder empfanden den Umgang mit Armen als ungerecht. Gut ein Drittel der Kinder fühlte sich aufgrund ihres Alters benachteiligt und rund 20 Prozent wegen ihres Migrationshintergrundes.

Bei der Frage, ob Eltern hinreichend Zeit für die Kinder haben, schnitten Familien, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig war oder der andere Elternteil in Teilzeit arbeitete, am besten ab. Waren beide Eltern in Vollzeit erwerbstätig, so empfanden vor allem Eltern Defizite. Am schwierigsten empfanden Kinder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Alleinerziehenden in Vollzeit.

Soziale Unterschiede prägten auch die Freizeitaktivitäten. Bei Jungen vorrangig aus unteren Schichten war der Fernsehkonsum besonders hoch und Computerspiele beliebt, während Mädchen aus gehobenen Schichten kaum Fernsehen schauten und stattdessen eher lasen. Am meisten ernst genommen fühlten sich die Kinder nach eigenem Bekunden von der Mutter. Der Vater lag knapp hinter dem Freund oder der Freundin.
Deutlich schlechter schnitten hingegen die Lehrer ab.

(KNA)