Kampf gegen Gaffer: Polizei will das Fotografieren von Toten unter Strafe stellen

Kampf gegen Gaffer : Polizei will das Fotografieren von Toten unter Strafe stellen

Der Polizist Stefan Pfeiffer hat in der vergangenen Woche die Aufmerksamkeit auf Unfall-Gaffer gelenkt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft nahm sein Einschreiten auf der A6 zum Anlass, härtere Gesetze zu fordern.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert ein härteres Vorgehen gegen Gaffer. Das Handy als „Tatwerkzeug“ solle Autofahrern weggenommen werden, die schwere Unfälle filmen oder fotografieren. „Das würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenzielle Nachahmer haben“, sagte der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Nachtigall, am Mittwoch in München.

Außerdem müsse das Fotografieren von Toten unter Strafe gestellt werden. Bislang könne laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches (StGB) nur das Ablichten von lebenden Unfallopfern bestraft werden. Es sei aber wichtig, „dass auch Verstorbene geschützt werden“. Die Gewerkschaft forderte, einen entsprechenden Gesetzentwurf, der bereits 2018 in den Bundesrat eingebracht worden sei, in die Tat umzusetzen.

An der Pressekonferenz in München nahm auch der Autobahnpolizist Stefan Pfeiffer teil. Er war in der vergangenen Woche bundesweit bekannt geworden, weil er Gaffer nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn 6 aufgebracht gefragt hatte, ob sie die Leiche sehen wollten.

Der Medienhype sei regelrecht über ihn hereingebrochen, habe ihn sogar „etwas geschockt“, sagte der 54-Jährige. „Denn das ist nichts Neues. Sie können diese Situation tagtäglich erleben.“ An alle Autofahrer, die Zeuge eines Unfalls werden, appellierte er, an die Opfer und ihre Angehörigen zu denken, bevor sie das Handy zückten. „Macht Euch klar: Das ist kein Spiel da draußen. Das ist bittere Realität.“

Pfeiffer ist seit 35 Jahren Polizist, inzwischen Leiter der Verkehrspolizei Feucht. 110 Verkehrstote hat er gesehen. „Ich war schon daneben gestanden, als drei tote Kinder aus einem Auto herausgezogen wurden. Das will ich nicht mehr erleben.“

Umso mehr schockiert es ihn, wenn diese Schicksalsschläge für vorbeifahrende Autofahrer Unterhaltung sind. Wenn sie ihre Handys zücken, die Toten und Verletzten filmen und die Helfer, die versuchen, Leben zu retten. Die Polizeigewerkschaft nennt diese Leute heute ganz bewusst nicht mehr Schaulustige – sondern Gaffer.

Es müsse doch klar sein, dass man nicht gefilmt werden will, wenn man gerade Opfer eines Unfalls geworden ist, sagt Pfeiffer – und auch nicht, wenn man als Notarzt oder Feuerwehrmann einer belastenden Ausnahmesituation ausgesetzt ist. Gaffer seien eine Gefahr.

Er hätte sich zwar selbst im Fernsehen lieber anders gesehen. „Aber wenn ich nicht geschrien hätte, hätte er es nicht verstanden.“ Er sei etwas erleichtert gewesen, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sich positiv über das kursierende Video äußerte. „Das Verhalten vieler Gaffer ist unverschämt und unverantwortlich“, hatte Herrmann auf Facebook geschrieben. „Ich freue mich, dass der Polizeikollege das einigen Gaffern auch mal emotional nahegebracht hat.“

Die Reaktion ist laut Pfeiffer immer die gleiche. Wenn die Leute den Spiegel vorgehalten bekämen, wenn man sie „aus ihren Schutzräumen Auto oder Lkw rausholt“, seien sie meist peinlich berührt. „Wir haben noch niemanden erlebt, dem das nicht hochgradig unangenehm war.“

Die Diskussion zu versachlichen sei sein Ziel, betont Pfeiffer. Einen „Personenkult“ um ihn solle es nicht geben. DPolG-Pressereferent Markus Haiß fügt scherzhaft hinzu, man solle Pfeiffer „nicht zur Greta Thunberg des Kampfes gegen Gaffer“ machen.

(lhen/dpa)
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