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Schulprojekt startet in Köln und Berlin: Jugendliche rappen gegen das Komasaufen

Schulprojekt startet in Köln und Berlin : Jugendliche rappen gegen das Komasaufen

Köln/Berlin (RPO). 16-Jähriger mit 6,2 Promille ins Krankenhaus eingeliefert - immer wieder gibt schockieren derartige Meldungen. Das Komasaufen unter Jugendlichen ist zu einem ernstzunehmenden Problem geworden, dem die Politik nicht Herr zu werden scheint. Nun soll HipHop helfen.

25.700 volltrunkene Jugendliche wurden im Jahr 2008 in die Notaufnahme gebracht. Erschreckende Zahlen, die auch die Regierung aufhorchen lassen. Strengere Kontrollen in Supermärkten, teurere Alcopops, Plakataktionen - die Politik wird nicht müde, etwas gegen das gestiegende Komasaufen zu unternehmen. Doch wirklich erreichen scheint sie die Jugendlichen nicht. Zu autoritär, zu sehr am Leben der jungen Menschen vorbei scheinen die Aktionen zu laufen, als dass sie von den Betroffenen selbst wahrgenommen werden.

Das soll sich nun ändern. Gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Metchhild Dyckmans, startete der Verband der privaten Krankenkassen am Dienstag das Projekt "HipHop gegen Komasaufen", und zwar in Köln-Porz und in Berlin-Neukölln.

Volker Leienbach, Direktor des Verbandes, erklärt: "Mit dem HipHop-Projekt richten wir uns direkt an Schulen in Problembezirken. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Präventionsbotshcaften und die dadurch ermöglichten zusätzlichen Unterrichtsangebote hier dringend gebraucht werden."

Eigene HipHop-Texte kreiiren

Und darum geht es: Im gerade gestarteten Schuljahr werden in den beiden Städten spezielle Unterrichtseinheiten angeboten, die den Schülern Alternativen zu Alkohol und Gewalt aufzeigen sollen. Das passiert aber nicht in drögen Stunden mit langweiligem Infomaterial, sondern ganz kreativ. Unter Anleitung des Künstlers BickMack und des Berliner Rappers AkteOne erlernen die Schüler in wöchentlichen Projektstunden, wie sie sich mit HipHop ausdrücken können.

Dabei sollen sie eigene Rap-Texte kreiieren, in denen sie sich mit Alkoholmissbrauch beschäftigen. Zum HipHop gehört natürlich auch das Tanzen - und so werden Tanzlehrer dafür sorgen, dass die Jugendlichen die richtigen Schritte zu ihren eigenen Songs erlernen.

Der Höhepunkt ist dann ein "Schoolbattle" in Berlin. Bei dem Wettbewerb treten dann die jeweiligen Schulen gegeneinander an. Das Preisgeld soll dann in neue Präventionsprojekte vor Ort gesteckt werden.

Die Drogenbeauftragte jedenfalls ist von dem Projekt überzeugt: "Durch dieses Projekt können sich Schülerinnen und Schüler in einer ihnen vertrauten Sprache und Ausdrucksform dem Thema Alkoholmissbrauch nähern und sich mit dessen Folgen auseinander setzen. Sie lernen Respekt und Toleranz gegenüber anderen und wie sie ihre Konflikte ohne Alkohol lösen."

Ohne erhobenen Zeigefinger

Tatsächlich könnte das Projekt ein Schritt in die richtige Richtung sein. Denn oftmals fühlen sich die Jugendlichen mit ihren Problemen im Stich gelassen. Der erhobene Zeigefinger wirkt schon längst nicht mehr. Mit der Aktion aber wird ein weit verbreitetes Lebensgefühl der Generation aufgegriffen: HipHop. Und mit Musikern, die fühlen und denken wie sie, lässt es sich leichter ins Gespräch kommen als mit altbackenen Politiker-Riegen.

Für den Künstler BickMack alias Mario Pavelka jedenfalls ist die Aktion eine Fortsetzung seiner Bemühungen, wie der Verband der privaten Krankenkassen erklärt. Hinter dem Projekt stehe ein pädagogisches Konzept, dass er bereits mehrfach gegen Gewalt an Schulen erfolgreich erprobt habe. Auch ein HipHop-Video gibt es zeitgemäß auf Youtube dazu.

Wie erfolgreich die neue Aktion läuft, wird sich noch zeigen. Doch sie ist den Jugendlichen allemal näher als Plakataktionen oder Verbote. Und wenn sie sich als erfolgreich erweist, sollte durchaus darüber nachgedacht werden, sie auszuweiten - auf andere Städte und zudem nicht nur auf Problembezirke.

Hier geht es zur Infostrecke: Alkoholverbot für Jugendliche: Das sagen unsere Leser