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Molotow-Cocktail: Jugendliche lockten Bremer Polizisten in Hinterhalt

Molotow-Cocktail : Jugendliche lockten Bremer Polizisten in Hinterhalt

Bremen (RPO). Eine Gruppe Jugendlicher hat Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen. Ziel des Überfalls: Den Streifenwagen mit einem Molotow-Cocktail in Brand setzen und den Beamten die Dienstwaffen zu rauben. So berichtet es die Polizei. Die Attacke misslang, die Beamten blieben unverletzt.

Eine Gruppe von Jugendlichen hat in Bremen zwei Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen. Die Streifenbeamten, die die Täter am Donnerstagabend unter einem Vorwand in einen dunklen Park gerufen hatten, blieben aber unverletzt, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Ein maskierter Täter habe vergeblich versucht, eine Scheibe des Streifenwagens zu zerschlagen, und sei daraufhin geflohen. Bei der Fahndung fand die Polizei in Tatortnähe einen Molotow-Cocktail und einen Kanister Benzin, womit das Auto offenbar in Brand gesteckt werden sollte. Gegen vier Jungen beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehle wegen der Verabredung zum Mord.

Der Streifenwagen war am Donnerstagabend gegen 22.00 Uhr zu dem Park im Stadtteil Gröpelingen gefahren. Zuvor war ein Notruf eingegangen, demzufolge die Anrufer - so wörtlich - von "Pennern" belästigt worden seien. Als der 29-jährige Polizeibeamte und seine 27 Jahre alte Kollegin am vermeintlichen Einsatzort eintrafen, trat der Maskierte aus einem Gebüsch hervor und schlug mit einem Schlagstock auf die Scheibe an der Fahrerseite des Autos. Er selbst floh zunächst erfolgreich vor den Beamten, deren angeforderte Verstärkung konnte jedoch zwei andere Tatverdächtige stellen und festnehmen. Die Polizei beschlagnahmte in Tatortnähe neben den Brandutensilien auch Einweghandschuhe.

Bis zum Freitagmorgen nahmen die Beamten noch vier weitere Jungen fest, gegen zwei der insgesamt sechs 14- bis 16-Jährigen erhärtete sich der Verdacht allerdings nicht. Die Jugendlichen seien wegen zahlreicher Diebstähle und Gewaltdelikte schon polizeibekannt, hieß es. Den Geständnissen einiger aus der Gruppe zufolge hatte das Quartett eine gezielte Aktion gegen die Polizei im Stadtteil geplant. Nach dem Einschlagen der Fensterscheiben mit dem Schlagstock und einem Gullydeckel wollten sie demnach den Streifenwagen in Brand setzen und die Waffen der Beamten erbeuten. Auch deren Lebensgefahr hätten sie zumindest teilweise in Kauf genommen, erklärte ein Polizeisprecher.

Erst vor zweieinhalb Wochen hatte ein Fall in Köln Aufsehen erregt, bei dem Jugendliche zwei Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und auf sie geschossen hatten, um die Beamten zu töten und deren Dienstwaffen zu rauben. Die drei jungen Männer im Alter zwischen 15 und 17 hatten islamistische Motive für ihre Tat angegeben. Sie wollten nach eigenen Angaben als "Märtyrer" Anschläge auf deutsche und US-amerikanische Einrichtungen begehen. Ein Bremer Polizeisprecher sagte am Freitag auf Anfrage, ein solcher Hintergrund sei bei dem Fall in der Hansestadt ausgeschlossen. Als Motiv habe sich vielmehr die "Unzufriedenheit über die häufigen Kontakte mit der Polizei" herauskristallisiert.

(ap)