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Johann Westhauser - Höhlenforscher will nach Rettung wieder in Tiefe

Johann Westhauser aus Klinik entlassen : "Neugier einfach da" - Höhlenforscher will nach Rettung wieder in die Tiefe

Knapp zwei Wochen nach seiner Rettung aus Deutschlands tiefster Höhle wird Johann Westhauser aus dem Krankenhaus entlassen. Er möchte wieder in die Tiefe: "Die Neugier ist einfach da."

Kreidebleich, die Wangen eingefallen, die Augen geschlossen - so sah Johann Westhauser aus, als Helfer ihn nach seinem Unfall in 1000 Metern Tiefe aus der Riesending-Schachthöhle ans Licht trugen. Am 19. Juni um 11.44 Uhr war das. Knapp zwei Wochen später verlässt Westhauser am Mittwoch das Unfallklinikum Murnau: Rosig, wohlgenährt und entspannt schaut er jetzt aus.

"Die Behandlung ist sehr erfolgreich. Ich fühle mich auch wohl und wurde sehr gut betreut. Die entscheidende Größe ist, dass es mir wieder besser geht", sagt der Baden-Württemberger in einem von der Klinik ins Internet gestellten Video. Und plaudert auf die Frage nach dem Essen: "Hervorragend. Gut, am Anfang hat die Küche bissel Probleme gehabt, dass sie die Sachen auch geliefert hat, die ich bestellt hatte - und die Menge. Ich habe doch viel auf der Tour abgenommen."

Er hätte tot sein können. Trotzdem ist für ihn klar, dass er wieder in die Tiefe will. "Das habe ich auf jeden Fall vor. Es interessiert mich fachlich, und die Neugier ist einfach da." Westhauser hatte die Riesending-Höhle bei Berchtesgaden mitentdeckt. Um neue Unfälle zu vermeiden, wurde der Eingang inzwischen vergittert. Wer dennoch hinein will, muss nun strikte Kriterien erfüllen.

Rund 700 Helfer waren an Westhausers Rettung beteiligt, mehr als 100 stiegen in die Höhle und nahmen Strapazen und Gefahren auf sich. "Was mir bei der ganzen Rettungsaktion sehr, sehr wichtig war: Dass den ganzen Rettern nichts passiert ist, dass sie alle wieder heil und gesund rausgekommen sind", sagt Westhauser nun.

Er weiß: "Ich habe sehr viel Glück gehabt". So sehen das alle. Er sei in der Tiefe optimal versorgt worden, sagt der Leitende Arzt der Neurorehabilitation, Marc Schaan. Die Prognose sei gut. "Im Hinblick auf die deutliche Besserung der Beschwerden gehen wir weiterhin vor einer sehr guten Rehabilitationsprognose aus."

Am Pfingstsonntag hatte ein Lehmbrocken Westhauser in der Höhle am Kopf getroffen. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Mit zwei Freunden wollte er neue Vorstöße vorbereiten. "Das war ursprünglich nur als Transport-Tour gedacht, wir wollten im hinteren Teil ein neues Biwak einrichten", sagt er. "Beim Ausstieg ist der Unfall passiert."

Eineinhalb Tage harrte ein Freund bei ihm aus - dessen professionelle Betreuung dürfte Westhauser mit das Leben gerettet haben. Der Begleiter selbst muss ein Martyrium durchlebt haben. Neben ihm fiel Westhauser in Ohnmacht, war nicht mehr wach zu bekommen - fernab von jeder Hilfe. Etwa zwölf Stunden brauchen die Besten, um an die Stelle vorzudringen. Bis ein Arzt ankam, vergingen mehr als drei Tage. Dabei hätte Westhauser sofort auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Das war erst fast zwölf Tage später möglich: Nach einer beispiellosen Rettung kommt er im Klinikum Murnau an.

Von der Intensivstation aus gleich die erste Botschaft an die Welt. Im blauen Klinikhemd, zwischen Monitoren und Schläuchen, spricht der Schwerverletzte - undeutlich, aber soviel ist klar: "Ich möchte mich ganz herzlich bei den Kameraden bedanken, die bei der Rettung mitbeteiligt waren. Es war doch eine sehr große Aktion." Er selbst habe das Video gewollt, heißt es später beim Klinikum.

Davor hatte die Bergwacht zeitweise strikt geschwiegen, als nur die Frage aufkam, in welche Klinik er kommen werde. Ähnlich in Sachen Gesundheitszustand: Es gehe um eine gewisse Persönlichkeitssphäre und ärztliche Schweigepflicht, sagte der Ärztliche Direktor, Volker Bühren, nach Westhausers Ankunft in Murnau. Dann aber folgen offenherzig Details: Schädelbruch, Fraktur an der Augenhöhle - und die Gehirnfunktion beschrieben die Ärzte als "so weit in Ordnung".

Dass Westhauser wieder in die Höhle will, dürfte für manchen unverständlich sein - und teils Unbehagen auslösen. Westhauser zitiert einen Freund: "Für solche Sachen muss man Triebtäter sein."

(dpa)