Giftige Schlange in Mülheim unterwegs: Jetzt soll Mehl die Kobra überlisten

Giftige Schlange in Mülheim unterwegs: Jetzt soll Mehl die Kobra überlisten

Mülheim/Ruhr (RPO). In Mülheim an der Ruhr suchen Spezialisten der Feuerwehr weiter nach einer giftigen Kobra-Schlange. Mit Mehl wollen die Fachleute der Schlange auf die Schliche kommen. Das Tier soll nämlich verräterische Spuren hinterlassen.

"Haben sie die immer noch nicht gefunden?" Ein älterer Herr stoppt am Samstag mit seinem Fahrrad auf Höhe eines hellen Hauses in Mülheim an der Ruhr, aus dem junge Feuerwehrmänner eimerweise Schutt heraus tragen. Sie suchen nach wie vor nach der hochgiftigen Monokelkobra, die ihrem 19-jährigen Besitzer in der Nacht zum Donnerstag entwischt war und seitdem Feuerwehr und Anwohner in Atem hält.

"Die Dachwohnung ist mittlerweile komplett entkernt", sagt Volker Wiebels, Pressesprecher der Stadt Mülheim. Nun seien die Reptilienexperten der Feuerwehr Düsseldorf in den Räumen und suchten weiter, auch in den beiden unteren Wohnungen.

"Sie vermuten, dass das Tier noch im Haus ist und sich in eine warme Ecken verkrochen hat", sagt Wiebels. Und so durchkämmten die Experten jeden Winkel der Wohnungen. Möbelstücke wurden hinaus und wieder hinein getragen, Bodendielen und Wandverkleidungen entfernt. Doch von der drei Monate jungen, 30 Zentimeter langen, fingerdicken Schlange keine Spur.

"Wir streuen jetzt Mehl, um sehen zu können, wo das Tier herumgeschlängelt ist", sagt Wiebels. Danach wollten die Einsatzkräfte besprechen, welche weiteren Maßnahmen folgen werden. Es gebe mehrere Optionen.

Fest steht indes schon, dass die Aktion der groß angelegten Suche sehr teuer wird. "Die Summe wird sich wohl im mittelhohen fünfstelligen Bereich bewegen, was den Feuerwehreinsatz anbelangt", sagt Wiebels: "Der Einsatz kostet pro Stunde immerhin 850 Euro." Insgesamt beläuft sich die Summe bis Samstag schon auf über 30 000 Euro.

"Rechtlich ist es ganz klar, dass der Verursacher, also der Besitzer der Schlange, dafür aufkommen muss", betont Volker Wiebels. Wie es dagegen mit den Ansprüchen des Hauseigentümers und der Mieter aussehe, müsse erst noch geklärt werden.

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In jedem Fall kommen auf den 19-Jährigen Schlangenhalter immense Kosten zu. Am Samstag ließ er sich wieder am Einsatzort blicken, wollte sich aber nicht zu den Ereignissen äußern. Gemeinsam mit seinem Bruder betrat er kurz das Haus und unterhielt sich draußen mit dem Nachbarn, der unter ihm wohnt.

"Ich hege keinen Groll gegen ihn", so der Nachbar, den die ganze Aufregung und der Medienrummel sichtlich mitgenommen haben. Er wirkt abgespannt, ist genervt von dem Wirbel. "Das grundlegende Problem ist doch wohl, dass es erlaubt ist, diese Tiere, die gefährlich wie Waffen sind, zu halten", konstatiert der Mülheimer.

"Völliger Irrsinn, dass das erlaubt ist", sagt auch der ältere Mann, der aus Essen angeradelt ist. "Ich habe gestern davon gehört und wollte jetzt mal schauen", erzählt er. "Na ja, ich werde das dann mal im Fernsehen weiter verfolgen", sagt er und zieht weiter, als ein Laster mit Getöse den dritten Container für all den Schutt und Unrat bringt.

Reinhold Busdorf steht währenddessen gelassen auf der anderen Straßenseite und beobachtet die Szenerie. Seit 41 Jahren ist er nun beim Deutschen Roten Kreuz, hat solch einen Einsatz noch nie erlebt, bleibt dennoch völlig ruhig. "Ist ein ganz normaler Einsatz", schmunzelt Busdorf, der für die Verpflegung der Einsatzkräfte zuständig ist. Er schmiert die Brötchen, bereitet den Kartoffelsalat vor und kocht Kaffee.

"Alles Routine", bleibt auch Volker Wiebels gelassen. "Hier wird sehr professionell gearbeitet." Solch ein Einsatz passiere zwar nicht alle Tage, sei aber dennoch ein ganz normaler Job. "Das ist für uns auch nicht der erste Fall dieser Art", so Wiebels. 1997, da habe die Feuerwehr schon einmal giftige Tiere einfangen müssen - eine Skorpionmutter mit ihren Jungen.

(DDP/csi)