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Umfrage: Jeder vierte Fahrgast fühlt sich auf Bahnhöfen unsicher

Umfrage : Jeder vierte Fahrgast fühlt sich auf Bahnhöfen unsicher

Betrunkene Fahrgäste, fehlende Videoüberwachung und niemand da, an den man sich wenden könnte: An vielen Bahnhöfen, Haltestellen und in öffentlichen Verkehrsmitteln in Deutschland fühlt sich jeder vierte Fahrgast laut einer Umfrage unsicher.

Das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr hat sich 2014 zum zweiten Mal in Folge leicht verbessert. Nach einer repräsentativen Untersuchung der Allianz Pro Schiene gaben noch 27 Prozent der Befragten an, dass sie auf Bahnhöfen ein eher mulmiges Gefühl beschleiche - im vergangenen Jahr waren es 32 Prozent.

"An den Verkehrsstationen herrscht gewaltiger Handlungsbedarf", erklärte Verbands-Geschäftsführer Dirk Flege in Berlin. Die Angst vieler Reisenden müsse ernst genommen werden. "Im Zweifelsfall gibt nämlich das Gefühl den Ausschlag, ob jemand den öffentlichen Verkehr nützt oder meidet", sagte Flege. Er bemängelte zudem, dass es zu Gewaltvorfällen an Bahnhöfen und in Zügen keine bundesweit vollständigen Zahlen gebe.

Besser sieht es beim Sicherheitsempfinden während der Fahrt aus. Hier gaben 92 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich in Zügen und Bussen wohl. Nur sieben Prozent fühlten sich weniger oder überhaupt nicht sicher. Im Vorjahr waren es noch neun Prozent.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn führte die Verbesserungen auf zahlreiche Maßnahmen zurück, etwa verbesserte Video-Überwachung, mehr Personal und Alkoholverbote. Als Beispiel nannte er die Berliner S-Bahn, bei der nach jahrelangem Streit nun die Videoüberwachung aufgerüstet werde.

Fahrgäste für Alkoholverbot

Laut der Umfrage trifft das den Nerv der Fahrgäste: Für 78 Prozent der Befragten rangiert die Videoüberwachung ganz vorne bei den erwünschten Sicherheitsmaßnahmen. An zweiter Stelle steht das mitfahrende uniformierte Personal, das sich 76 Prozent der Fahrgäste wünschen. 71 Prozent der Befragten sprachen sich für ein generelles Alkoholverbot in Zügen aus. Dass auch Polizeibeamte mitfahren, wünschen sich lediglich 29 Prozent der Befragten.

Für die Finanzierung von Sicherheitspersonal sieht Naumann die öffentliche Hand in der Pflicht. Nach seiner Auffassung sollte es das Ziel sein, von 21 bis 6 Uhr sowie an den Wochenenden "immer ansprechbares Personal zu haben."

Für die Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde, wurden 3231 Bundesbürger befragt. Erhoben wurden in der Studie ausdrücklich nicht die Sorge vor Unfällen, sondern die Angst davor, Opfer von Überfällen oder Belästigungen zu werden.

Ein Bahnsprecher sagte zu den Ergebnissen der Umfrage, die Bahn sei bereits sicherer als der öffentliche Raum. 2013 sei die Präsenz von Sicherheitskräften an stark frequentierten Stationen erhöht worden. Viele Bahnhöfe seien heller und moderner geworden.

Hier geht es zur Infostrecke: Hier fühlen sich die Deutschen am Bahnhof am unsichersten

(jre)