Steuerfahnder beim Schweineschlacht-Riesen: Jäger und Gejagter - Clemens Tönnies unter Druck

Steuerfahnder beim Schweineschlacht-Riesen : Jäger und Gejagter - Clemens Tönnies unter Druck

Wenn es um Steuerhinterziehung geht, spielen alle Beteiligten mit verdeckten Karten. Die Ermittler dürfen nichts sagen, Steuergeheimnis. Und die Beschuldigten wollen meist nichts sagen. Fakt ist: Die Steuerfahndung ermittelt seit Anfang 2011 gegen den Chef des größten deutschen Schweineschlachtbetriebs, Clemens Tönnies. In dieser Woche haben 20 Ermittler Büros des Unternehmens im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück durchsucht.

Es war nicht die erste Durchsuchung bei Tönnies und auch nicht das erste Verfahren. "Damit müssen wir umgehen", sagt Unternehmenssprecher Markus Eicher. "Damit haben wir leider schon Übung."

Dabei richten sich die Ermittlungen in diesem Fall nicht gegen den Betrieb, sondern gegen den Privatmann Clemens Tönnies. Das Unternehmen macht mit 9000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 4,6 Milliarden Euro. Mehr als 15 Millionen Schweine werden hier im Jahr geschlachtet. Dazu kommen 400.000 Rinder. Mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen Euro steht der 56-Jährige auf Platz 178 der reichsten Deutschen, wie das "Manager Magazin" vor kurzem meldete.

Mehrere Beschuldigte

Der Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen, Klaus Pollmann, hält sich bedeckt. Nur soviel: Es gibt mehrere Beschuldigte, auch das Büro des ehemaligen Schalke-Präsidenten Josef Schnusenberg wurde durchsucht. Der Steuerberater ist seit Jahrzehnten mit der Familie Tönnies verbunden, war etwa Testamentsvollstrecker des 1994 gestorbenen Bernd Tönnies, Clemens' Bruder.

Bei der Durchsuchung wurden auch Akten des Vereins "Aktion Kinderträume" geprüft, sagt Pollmann. Es gehe aber nicht um Unregelmäßigkeiten beim Verein, sondern nur "um mögliche Schnittstellen". Auch werde nicht gegen die Vereinsvorsitzende und Ehefrau von Clemens Tönnies ermittelt. Insgesamt sei die Summe, die hier in Rede stehe, unter der Millionengrenze, betont Pollmann.

Auch das 1000 Hektar große Jagdrevier des passionierten Jägers Clemens Tönnies in Ribnitz-Damgarten in Mecklenburg-Vorpommern taucht immer wieder in den Berichten über die Steuerermittlungen auf. Hier gehe es um die Frage, ob die Aufwendungen für größere Jagdgesellschaften mit Teilnehmern aus der Fleischbranche geschäftlich oder privat waren, sagt Tönnies-Sprecher Markus Eicher.

Es sind aber nicht nur diese Ermittlungen, die Clemens Tönnies umtreiben, denn bei den Tönnies hängt der Haussegen schief. Der Neffe Robert rebelliert gegen seinen Onkel. Beide reden nicht mehr miteinander, die Anwälte haben das Wort. Eigentlich könnten beide gleichberechtigte Gesellschafter sein. 2009 hatte Robert seinem Onkel einen Fünf-Prozent-Anteil geschenkt. Den will er nun wiederhaben, wegen groben Undanks, wie es heißt. Eine entsprechende Klage soll Anfang November beim Landgericht Bielefeld eingereicht werden. Außerdem klagt Robert gegen das doppelte Stimmrecht, das Clemens Tönnies im mächtigen Gesellschafterausschuss die Vorherrschaft sichert.

(dpa)
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